Aktionstag „Mietenwahnsinn stoppen“ auch in Nürnberg!

Im Rahmen des 2. Aktionstages der bundesweiten Kampagne „Mietenwahnsinn stoppen“ am 08.September gab es auch in der Nürnberger Innenstadt eine Aktion. Organisiert wurde diese von der AG Wohnen des Sozialforums Nürnberg

 

 

Thematisiert wurde neben der alltäglichen Wohnsituation vor allem der geplante Verkauf der letzten Wohnungen in städtischen Besitz. Die 200 Wohneinheiten umfassen eine Gesamtfläche von 14.920m². Verbildlicht wurde dies bei der Aktion am Nürnberger Hallplatz indem etwa ein zehntel der Fläche (ca. 1500m²) auf dem Hallplatz mit Luftballons eingegrenzt wurde. An den Ecken wurde die Aktion auf Plakaten erklärt. Im vorderen Teil wurde ein Wohnzimmer mit einem Sofa, Tisch und Stühlen eingrichtet. Hier konnten sich PassantInnen informieren, es wurden Redebeiträge verlesen und Flugblätter verteilt.

 

 

 

Neben dem Verkauf der 200 Wohnungen wurde die Bewerbung der Stadt Nürnberg als Kulturhauptstadt kritisiert. Hierfür sollen Millionen Euro ausgegeben werden, die an anderer Stelle eingespart werden. Dem Wahlkampfgelaber der Parteien -allen voran der SPD- wurde eine Absage erteilt. Darüber hinaus traten die AktivistInnen für Wohnraum jenseits der Profitlogik ein.

Die AG Wohnen setzt sich aus verschiedenen Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen zusammen, die zum Thema Mieten und Wohnen arbeiten.Neben Aktionen wie dieser, trifft sich die AG regelmäßig und diskutiert gemeinsam wie ausreichend bezahlbarer Wohnraum entstehen kann.

Redebeitrag der AG Wohnen:

Liebe Passantinnen, liebe Passanten,

Wer heute in Nürnberg auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung ist, kennt das Ausmaß der Katastrophe. Die Konkurrenz ist groß und am Schluss gibt es immer einen, der mehr verdient, einen sicherer Job oder keine Kinder hat. Bezahlbarer Wohnraum: Fehlanzeige! Wohnen wird für mehr und mehr Menschen zum Luxusgut.

Im Wahlkampf überbieten sich die Parteien mit Slogans für bezahlbaren Wohnraum. Vor allem die SPD inszeniert sich hierbei als soziale Kraft. Doch was ist die Realität im sozialdemokratisch regierten Nürnberg? Auch die letzten 200 städtischen Wohnungen sollen privatisiert werden! Auch das letzte kleine Instrument zur Steuerung der Wohnungsnot soll aus der Hand gegeben werden!

Das ist der Grund, warum wir heute hier sind! 200 Wohnungen. Das ist mal so viel Platz, wie die Fläche des Platzes auf dem wir hier stehen! Es reicht nicht, dass die Stadt Nürnberg das Tafelfeldgelände an die berüchtigten SpekulantInnen der Patrizier AG verscherbelt hat. Es reicht auch nicht, dass die Stadt zugelassen hat, dass Sonea Sierra das Quelle-Gelände kauft. Eine Firma, die schon in der Nachbarstadt Fürth beim Ausbau der Neuen Mitte für massiven Unmut gesorgt hat. Wie viel Potential hätte doch das Quelle-Areal für Kultur, Wohnen und öffentlichen Raum geboten!

Doch es scheint schlichtweg nicht im Interesse der Stadt Nürnberg zu liegen, der Wohnraumkrise aktiv zu begegnen. Einsparungen sind das Ziel. Dafür sollen die Wohnungen verhökert werden und Leihgebühren in der Bibliothek erhoben werden. Aber für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt werden Millionen auf den Tisch gelegt. Herr Maly, was nutzt es einer Stadt sich Kulturhauptstadt nennen zu dürfen, während Tausende ihrer BewohnerInnen keine bezahlbare Wohnung finden? Was nützt es, wenn Menschen, die eh schon wenig haben nun auch noch ihren Geldbeutel öffnen müssen, um sich in der städtischen Bibliothek ein Buch auszuleihen?! Ist das die Kulturhauptstadt, die sich die Menschen im Rathaus vorstellen?! Die klammen kommunalen Kassen mit diesen sinnlosen Aktionen aufbessern zu wollen, ist eine Farce! Dafür nun auch noch 200 städtische Wohnungen zu privatisieren ist ein Skandal!

Mit diesen Wohnungen hätte man wirklich besseres machen können! Nicht-profit-orientierten Wohnraum schaffen zum Beispiel. Denn die Entkopplung von Renditen und Miete ist das einzige, was der Wohnungsnot tatsächlich etwas entgegensetzen könnte. Nur, allein der politische Wille sich gegen Kapitalinteressen zu stellen, scheint bei nahezu allen Parteien zu fehlen! Wir fordern: Schluss mit Privatisierung! Keine Rendite mit der Miete! Nicht-profit-orientierten Wohnraum für alle!

drucken | 11. September 2017 | organisierte autonomie (OA)