Markus Söder- Sohn seiner Klasse

Markus Söder- Sohn seiner Klasse

Gemeinsamer Text des Autonomie Magazins und der Gruppe Prolos aus Nürnberg.

Markus Söder ist neuer bayerischer Ministerpräsident. Zeit, sich ein wenig näher mit der Person zu beschäftigen, die exemplarisch für den Rechtsruck steht und nun hier in Bayern den Ton angibt. Wie das alles so weit kommen konnte, wird im Folgenden versucht zu umreißen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Sehr passend und als deutliches Signal zu interpretieren, hat sich Markus Söder dieses Jahr an Fasching als Prinzregent Luitpold verkleidet. Dieser Mann war der letzte bayerische Monarch, dessen Herrschaft nicht durch eine Revolution beendet wurde. Herr Söder sieht sich wohl klar in dieser Tradition, da er jetzt schließlich auch zum Staatsoberhaupt Bayerns gemacht wurde. Bemängeln kann man aber an dieser Stelle schon den fehlenden Dank an die revolutionäre Linke von 1918, die schließlich dafür gesorgt hat, dass der Freistaat Bayern entsteht und so ein Bürgersohn wie Herr Söder überhaupt in den Genuss kommen kann, Staatsoberhaupt zu werden. Denn wenn es nach seiner Partei ginge, hätte man niemals die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Veränderung erkannt und wir würden jetzt noch unter der Herrschaft der Wittelsbacher leben, auch er.

Will man einen Menschen verstehen, muss man sich aber anschauen, was bereits früh im Leben passiert sein muss, damit man so wird wie Markus Söder. Für seine Herkunft kann man ja bekanntlich erst einmal nichts. So wurde Markus Söder in eine Bauunternehmerfamilie geboren, wo er vermutlich schon ganz früh mit den Grundfesten unserer Gesellschaft, wie z.B. Mehrwertaneignung und dem Leben auf Kosten anderer in Kontakt gekommen ist. Der Weg als tüchtiger Klassenkämpfer von oben wurde ihm schon von seinem Vater gebahnt. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war dann der Eintritt in die JU mit bereits 16 Jahren. Man könnte sagen, das kann, gerade in Bayern, jedem mal passieren. Doch Herr Söder verließ den Verein bis heute nicht mehr. Viel zu viele Vorteile versprach er sich aus der verheißungsvollen CSU-Mitgliedschaft. Und er hat ja recht: Wer in Bayern in DER PARTEI ist, dem fällt vieles schon mal leichter. Und was man da für Leute kennenlernt! So hat er dann auch den Sprung aus dem Kleinbürgertum via Hochzeit geschafft und ist seit 1999 im bayerischen Großkapital angekommen bzw. hat er Karin Baumüller geheiratet. Auch in der Partei ging es für Markus immer nur nach oben. Ein echter Siegertyp eben!

Auch wenn etwas später seine Liebschaft aus dem Sonnenstudio bei der Bunten geplaudert hat, sie hätte irgendwie ein Kind von ihm und er wollte sie wohl nicht heiraten, weil sie ihm zu arm war: Seinem Image schadete das kaum. Ein Wunder, dass sich durch seine Karriere bis heute zieht. Ein Skandal jagt den nächsten. Aber Söder lässt sich nicht aufhalten. Söder passiert. So lohnt sich auch noch einmal den Blick darauf zu richten, was man schon alles von seinen Leistungen für das Land Bayern vergessen hat.

Beispielsweise hat er immerhin stolze zwei Jahre lang von der Schaben- und Mäuseplage in den Produktionshallen von Müller Brot gewusst, ohne groß einzuschreiten. Die bayerische Wirtschaft ist der Grundpfeiler des Wohlstands (vor allem seines), das hat Söder halt erkannt, und deswegen kam er wohl nie auf die Idee seine Klassengenossen anzukreiden. Herr Söder war in diesen zwei Jahren bestimmt nicht so dumm, dort selbst einzukaufen.

Ein weiteres Meisterwerk der Söderschen Politik war das Überlassen von 32.000 Wohnungen des Freistaats an Patrizia Immobilien für einen Spottpreis. Söder weiß eben, dass sozialer Wohnungsbau einfach Geld kostet und wer ist denn so blöd Geld für die Armen auszugeben? Diese offensichtliche Arroganz der Herrschenden kam beim Volk aber nicht so gut an. Söders neues Wahlversprechen ist deshalb: eine neue Wohnungsbaugesellschaft! Ein kaum zu durchschauender Plan.

Herr Söder mischte sich schon immer in aktuelle Debatten ein, um sie ein Stück nach rechts zu rücken, ganz nach seinem Vorbild Franz Josef Strauß. Sobald es eine Möglichkeit gab gegen Linke, Arbeiter, Ausländer oder Arme zu hetzen, war der Markus am Mikrofon und verteidigte das Vaterland. Dabei betonte er in ganz preußischer Manier typisch deutsche Tugenden, wie Leistungsbereitschaft, Disziplin und Pünktlichkeit als Lösung für die Wirtschaftskrise. Denn Söder weiß, wie es läuft: je mehr sich die Leute ausbeuten lassen, umso besser funktioniert das herrschende Wirtschaftssystem. Je mehr Druck auf die ausgeübt wird, die keine Arbeit haben, desto höher ist die Konkurrenz, was die Lohndrückerei noch einfacher macht. Deshalb sollte laut Söder niemand dazu angeregt werden, es sich im Harzt IV Bezug bequem zu machen. Dieser Mann hält den Laden am Laufen.

Und wenn es mal schwierig wird mit seiner Hetze in der Presse zu landen, fackelt Herr Söder nicht lange und schreitet zur Tat. Da werden sofort die alten Kumpels vom BR angerufen oder einen Brief an die richtige Adresse beim ZDF geschickt. Dieses Konzept funktioniert bis heute: Jeder Furz des neuen Ministerpräsidenten wird in der Presse breitgetreten, während kritische Berichte immer weniger erscheinen. In regelmäßigen Zeitungsinterviews glänzt er mit der Inszenierung seiner Person als den vernünftigsten Politiker schlechthin. Bayern stellt er als das Paradies auf Erden dar, stets geschickt darin soziale Themen zu umkurven, außer er hat die Chance über Flüchtlinge zu sprechen, um nicht etwa über Armut und Reichtum reden zu müssen. Markus hat eben alles im Griff und achtet auf sein Image.

Alles in allem ist das Lebenswerk des Markus Söder bis heute eine Meisterleistung. Er ist vielen Menschen einfach einen Schritt voraus, da er aktiv für die Interessen seiner Klasse eintritt. Davon könnten sich in Bayern viele eine Scheibe abschneiden. Er ist immer noch erfolgreich in dem was er macht, weil ein weit verbreitetes Bewusstsein darüber fehlt, dass er nicht im Interesse aller handelt, auch wenn er dies stets behauptet. Er handelt im Interesse einer kleinen Minderheit, die den Großteil des Vermögens besitzt und darauf richtet er seine Politik aus. Daher bleibt nur aufzuklären über die Machenschaften des Ministerpräsidenten und seiner Partei und klarzustellen: Diese Leute denken an die bayerische Wirtschaft – und damit zwangsläufig nicht an die große Mehrheit der Werktätigen und Arbeitslosen. Ja, auch in Bayern haben die ArbeiterInnen eigentlich andere Interessen als ihre Bosse. Wird Zeit, dass diese wieder eingefordert und durchgesetzt werden, denn seit 1918 hat sich in dieser Hinsicht nicht mehr viel getan.

Schreibt es an jede Wand, von der großstädtischen Hausfassade bis zur Kirchenmauer in der Provinz:

Markus Söder- ArbeiterInnenfeind! Für ein widerständiges Bayern!

 

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drucken | 1. April 2018 | Prolos