Keine Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg! Jamnitzer bleibt lebendig!

Radio-Z: Stoffwechsel Beitrag und Interview zum Thema: hier (ab ca. 1:40:00)

In diesem Jahr will die Stadt Nürnberg die Pläne für die Umstrukturierung des Jamnitzer Platzes vorlegen. Zu diesem Zweck sind heute (17.07) auch Menschen von SÖR und dem Quartiersmanagement unterwegs, die die NutzerInnen befragen wollen.

Bis jetzt haben wir mit der Veränderung des Platzes keine sonderlich guten Erfahrungen gemacht. Es waren nicht unsere Bedürfnisse als NutzerInnen, die umgesetzt wurden sondern die der Polizei und sicherheitsfanatischer AnwohnerInnen, wie das Entfernen der Seitenwände, der Hecken, mancher Sitzgelegenheiten und das Anbringen von grellem Licht. Zudem wurden etliche Verbote verhängt: für Hunde, für Fahrräder, Trinken etc. Hinzu kommen so manche AnwohnerInnen, die hierher gezogen sind und sich jetzt über das Leben in einem rebellischen und lebendigen Stadtteil beschweren: zu laut, zu dreckig!

Klar, wenn EigentümerInnen in die Verkaufsanzeige über ein Haus am Platz schreiben, dass es in einer „ruhigen Lage“ liegt, ist das momentan schlicht gelogen. Wenn die Konsequenz dann aber ist, dass der Platz und seine NutzerInnen auf Investoren-freundlich getrimmt werden sollen – so lange bis die Anzeige dann eben doch stimmt – müssen wir sagen: stopp! Wir wollen nicht, dass der Jamnitzer der Friedhofsruhe zum Opfer fällt, die eine handvoll Anwohner und Immobilieneigentümer vom Runden Tisch mit der Stadt und der Polizei gerne hätten. Nicht mit uns!

Wir sind hier, weil wir keinen Garten, keinen riesigen Balkon haben, wir sind hier weil wir keine Lust und auch nicht das Geld haben, uns in teure Lokale zu setzen. Dieser Platz ist für uns Spielplatz, Café, Kneipe und Jugendzentrum in einem. Wir wollen hier auch gerne grillen, eine öffentliche Toilette, mehr grün, die Zusammenlegung der beiden Spielplätze, den Brunnen, wir wollen mit unseren Hunden hier sein – oder mit dem Fahrrad. Was wir nicht wollen, ist Verbotspolitik und Überwachungswahn! Wir wollen gemütliches Licht statt Ausleuchtung, wir wollen Sichtschutz für Jugendliche und schattige Bepflanzung und Pavillons, in denen sich Menschen auch aufhalten können, wenn es regnet. Wir wollen keine Kameras und keine ständigen schikanösen Polizeikontrollen. Das Alkoholverbot ist ein Witz und dient nur der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums. Oder warum sonst kann man am Veit-Stoß-Platz oder in der Rosenau sein Feierabendbier nicht im Park aber jederzeit in der kommerziellen Gastronomie im Park trinken? Das macht keinen Sinn für uns – sondern richtet öffentliche Plätze einmal mehr auf Kapitalinteressen zu. Das darf so nicht weiter gehen! Wir dürfen gespannt sein, ob diesmal unsere Interessen wirklich berücksichtigt werden. Wenn nicht, kündigen wir jetzt schon an:

Wir wehren uns gemeinsam – Gostenhof bleibt rebellisch, solidarisch und lebendig! Reclaim Jamnitzer – Keine Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg!

drucken | 25. Juli 2018 | organisierte autonomie (OA)