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Antifa-Kaffeefahrt 2005

Dieses Jahr wird der 60. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus gefeiert. Dass der militärische Sieg über die Gewaltherrschaft der Nazis nicht das Ende aller FaschistInnen und ihrer menschenverachtenden Ideologie bedeutete, dürfte klar sein. Der Wahlerfolg der neonazistischen NPD in Sachsen, der Sitz im Nürnberger Stadtrat, sowie dass fast kein Wochenende vergeht, an dem nicht irgendwo bzw. vielerorts in der BRD Neo-Nazis aufmarschieren, ist bekannt. Zwar sollte es generell ein Anliegen sein gesellschaftliche Ursachen für rechtes Gedankengut – also tief verwurzelten Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus – zu benennen und aktiv zu bekämpfen. Dennoch gibt es eben Neonazis die jetzt und hier existieren und die eine Gefahr darstellen; Nicht nur für MigrantInnen und Andersdenkende, die von brutalen Übergriffen betroffen sind, sondern auch für alle von uns. Denn der Faschismus steht grundsätzlich gegen die Freiheit des Menschen und für Unterdrückung und Ausbeutung eines Großteils der Bevölkerung.
Das Anliegen dieser Aktion heute ist, Hauptakteure der regionalen Naziszene aufzudecken und in der Nachbarschaft bekannt zu machen. Nazis müssen aus ihrer Anonymität herausgerissen werden. Den „netten Mann“ von nebenan gibt es nicht. Im Fall der heute von uns besuchten Personen handelt es sich um führende Köpfe mittelfränkischer Neonazis, die bei Ihnen um die Ecke wohnen. Also überlegen Sie sich gut mit wem Sie ein Gartenzaun-Gespräch halten…

Eibach
Ralf Ollert [1]Ralf Ollert, 42 Jahre alt, wohnt im Bründlesweg in Eibach. Er ist derzeit Landesvorsitzender der NPD Bayern und Stadtrat der NPD Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) in Nürnberg. In Bayern wurde er 1982 Vorsitzender der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD. Schon vorher agierte er lange Zeit in der rechten Szene. 2002 lief gegen Ollert ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Nürnberg/Fürth wegen Volksverhetzung bzw. Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole.
Ollert zeichnete sich v.a. durch Umgang und Zusammenarbeit mit ultrarechten Gruppierungen, den sogenannten freien Kameradschaften, wie z.B. der mittlerweile verbotenen Fränkischen Aktionsfront, aus. Beispielsweise agierte er als Anmelder für eine Neo-Nazi Mahnwache in Herzogenaurach am 19. Mai 2001, die auch von der FAF mitgetragen wurde. Seine ausländerfeindliche und faschistische Einstellung zeigt sich nicht nur duch organisatorische Kontinuitäten, sondern wird auch durch die von ihm gehaltene Rede am Aschermittwoch diesen Jahres belegt. In dieser drischt er fremdenfeindliche Phrasen, wie:“ Durch die Zuwanderungspolitik wird das deutsche Sozialsystem systematisch zerstört, da die meisten Ausländer in das, soziale Netz‘ einwandern.“, und fordert ganz offen, möglichst viele MigrantInnen auszuweisen. Zudem versucht Ollert im Stadtrat Stimmung gegen alternative Kultureinrichtungen zu betreiben. Er forderte die Streichung der städtischen Zuschüsse für das Kultur- und Stadtteilzetrum DESI e.v., sowie das Verbot der jählich stattfindenden „linken Literaturmesse“ im K4.

Zirndorf

Gerd Ittner [2]Der bekennende Nazi Gerd Ittner, wohnhaft in der Schützenstrasse in Zirndorf, arbeitete bis zu seinem Ausschluss 2002 in der NPD und ihrer Tarnorganisation der „Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA)“ mit. Zusammen mit Christian Worch meldete Gerd Ittner für den 06.09.03 einen Aufmarsch unter dem Motto: „Stolz und Treu macht Deutschland frei“ am ehem. Reichsparteitagsgelände an. Die Route sollte bis zum ehem. Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen Hauptmarkt führen. Gerd Ittner wählte nicht nur das ehem. Reichsparteitagsgelände als Symbol für sein faschistisches Gedankengut, sondern auch die Route ist annähernd die selbe wie die der NSDAP-Fackelzüge während der Reichsparteitage 1938. Es zeigt deutlich das Ittner ein Verehrer und Anhänger des Nationalsozialismus und des Deutschen Reichs ist.
Gerd Ittner meldete noch im selben Jahr einen weitern Aufmarsch an. Am 6.12.03 wollte er zu Zeit des Christkindlesmarktes durch die Nürnberger Altstadt marschieren konnte dies aber nicht durchsetzen. Zur Zeit steht der 46-jährige Faschist unter anderem wegen Volksverhetzung in mehreren Fällen und Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole vor Gericht und trägt auch dort offen seine rassistische und menschenverachtende Gesinnung zur Schau. Beispielsweise beginnt der selbsternannte „Sachwalter des – seiner Ansicht nach noch existierenden – deutschen Reichs“ jede seiner Reden vor Gericht mit den Worten „Heil dem deutschen Reich“.

Stadeln
Matthias Fischer [3]Matthias Fischer, wohnhaft in der Steinacherstrasse in Fürth/Stadeln gilt als führender Kopf der Fränkischen Aktionsfront (FAF). Diese versteht sich als Zusammenschluss von lokalen und regionalen so genannten „freien Kameradschaften“ und einzelnen Neo-Nazis. Die FAF wurde am 22.01.2004 verboten. Es ist allerdings schwer davon auszugehen, dass ihre Struktur weiterhin verdeckt existiert. Fischer war der presserechtlich Verantwortliche für fast alle Druckerzeugnis der freien Kameradschaft „Nationalisten Nürnberg“ (NN), sowie der FAF. Im Juli 2001 wurde sowohl seine Wohnung hier in Stadeln, als auch die in Lauf am Holz von der Polizei durchsucht. Beschlagnahmt wurden dabei 30.000 Drucksachen, die zum Gedenkmarsch für den Hitler Stellvertreter Rudolph Hess in Wunsiedel mobilisierten, sowieeinige Transparente und 500 Exemplare des Naziheftchens „Landser“. Auch Gaspistolen und eine Gotcha-Waffe stellte die Polizei bei der Durchsuchung sicher. Fischer wurde von der Staatsanwaltschaft angeklagt und zu elf Monaten auf Bewährung, sowie zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Vorwürfe waren: Aufforderung zu Straftaten, Beleidigungen und Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Fischer gehört außerdem der Gruppe „Aryan Hope“ (arische Hoffnung) an. Diese sieht sich als innerer Kern regionaler Nazizusammenhänge. Sie strebt ein weltweites Netz von Kampfgemeinschaften an. Kontakte bestehen in die USA. Wie der Grossteil der Mitglieder hat sich auch Fischer „Aryan Hope“ über das linke Ohr tätowiert. Auch im Bereich Anti-Antifa ist Mathias Fischer äußerst aktiv. Es gehört zum Politikverständnis der NN bzw. der FAF so genannte Feindaufklärung zu betreiben. Ziele/Opfer sind aktive AntifaschistInnen, aber auch liberale LehrerInnen, Mitglieder linker Parteien und Räumlichkeiten sowie RedakteurInnen linker Zeitungen. Fischer fällt oft als emsiger Filmer bei Demonstrationen auf und der von ihm herausgegebene „Landser“ enthielt immer auch eine Rubrik „Anti-Antifa. Seit kurzem ist Mathias Fischer auch als Beisitzer im Vorstand der bayrischen NPD vertreten. Damit wird auf regionaler Ebene der Schulterschluss zwischen den freien Kameradschaften und der derzeit stärksten faschistischen Partei betrieben.

Nordostbahnhof

Norman W. Kempken [4]Norman W. Kempken lebt seit 1994 in Nürnberg und wohnt momentan in der Leipzigerstrasse am Nordostbahnhof. Kempken ist 1968 in Rüsselsheim geboren.
Er gilt als „Ziehsohn“ von Ursula Müller, der Vorsitzenden der HNG (= Hilfsorganisation nationaler Gefangener) und ist dort auch selbst aktives Mitglied. Die HNG ist eine Organisation, die inhaftierte Neonazis unterstützt. ihr Ziel ist es Öffentlichkeit herzustellen, gefangene (Neo) Nazis als politische Gefangene anzuerkennen und die Abschaffung aller Anti-NS und Gesinnungsparagraphen zu erreichen. Einmal im Monat erscheint von der HNG eine Nachrichtenausgabe, für die Norman Kempken als Autor desöfteren fungierte. Außerdem macht er im Rahmen der HNG Gefangenenbetreuung für verurteile Neo-Nazis.
1992 war er Mitinitiator einer bundesweiten Anti-Antifa Kampagne, bei der 250 Namen von Einzelpersonen und Institutionen mit Addressen und Telefonnummern in der Zeitschrift „der Einblick“ veröffentlicht wurden.
Das Konzept Anti-Antifa soll ermöglichen AntifaschistInnen einzuschüchtern, zu bedrohen und mundtot zu machen. Die AntifaschistInnen werden fotografiert und veröffentlicht. Den Veröffentlichungen folgen nicht selten Übergriffe!
1995 gab es einen Prozess gegen die Macher der Zeitschrift „der Einblick“, bei dem Norman Kempken mitangeklagt wurde. Im Prozess wurde er zu 1,5 Jahren Haft auf Bewährung und 150 Arbeitsstunden verurteilt. Kempken ist in Nürnberg und auch bundesweit eine bekannte Person, wenn es um Anti-Antifa Arbeit geht. Er hat Kontakte vom bürgerlich-konservativen Spektrum, wie der CDU bis hin zu rechtsextremen Organisationen, wie der Fränkischen Aktionsfront. Außerdem ist er seit Jahren in der gewalttätigen Hooliganszene aktiv.

Zabo
Die Gaststätte Reichswald im Stadtteil Zerzabelshof fungiert seit mehreren Monaten als regionaler und überregionaler Treffpunkt der Naziszene. Jeden Freitag treffen sich hier Neonazis der Nürnberger Kameradschaftsszene. Im abgetrennten Kneipenraum wird gemeinsam in dummdeutscher Manier gesoffen, Informationen ausgetauscht, rassistische, faschistische Propaganda verteilt und neue Kameraden rekrutiert. Ausgehen von dem Nazitreffpunkt wurden Strassenzüge mit faschistischer Propaganda beklebt. Auch wurden bereits im Umfeld der Kneipe AntifaschistInnen von Neonazis mit Messern bedroht. Im Anschluss an eine Neonazikundgebung am 15.1.2005 in der Nürnberger Innenstadt fuhr ein 20 köpfiger Nazimob in den Reichswald um nach der Verbreitung von faschistischer Ideologie noch gemeinsam einen zu saufen.
Treffpunkte wie der Reichswald festigen die Nazistrukturen und bieten einen Anlaufpunkt für NeueinsteigerInnen. Deswegen müssen solche Orte öffentlich gemacht und angegangen werden.

Kein Fussbreit den Faschisten! Nirgendwo.

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Antifaschistes Aktionsbündnis

UnterstützerInnen: Autonome Jugendantifa Nürnberg [5] (AJA), Initiative für ein Autonomes Zentrum, organisierte autonomie [6] (OA), Pension Ost [7] (PO), Schülerbündnis Nürnberg [8], [’solid] Nürnberg [9]