Weg mit dem Nazitreff in Zabo!

Reichswald dichtmachen!

In Nürnbergs Osten macht sich die Neonaziszene breit. Im Stadtteil Zerzabelshof trifft sich jeden Freitag Abend ungestört die regionale Naziszene in der Gaststätte „Reichswald“. Im Hinterzimmer der Kneipe in der Zerzabelshofer Hauptstrasse 2 wird dabei wöchentlich in dummdeutscher Manier gesoffen, agitiert, geplant und organisiert. Wir, das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg arbeiten seit März 05 an einer breit angelegten Kampagne zur Schließung des Nazitreffpunktes. Höhepunkt wird eine überregionale Demonstration zum „Reichswald“ am 2.Juli 2005 sein. Macht sicher, dass ihr am Start seid!

60 Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus bleibt Antifaschismus aufgrund gesellschaftlicher Tendenzen weiterhin ein Thema: In Sachsen zieht die neofaschistische NPD in den Landtag ein. Gleichzeitig gelingt es der NPD einen Schulterschluß zwischen ihnen, anderen rechtsextremen Parteien und den freien Kameradschaften zu schließen. Ausdruck findet dieser Aufschwung in der wachsenden Präsenz von Neonazis in der Öffentlichkeit. Traurige Höhepunkte sind die wachsende Zahl der rechtsextremen Übergriffe und die aktuellen Nazimorde von Dortmund, München und Schwerte.
Auch in Nürnberg lässt sich wieder eine gesteigerte Aktivität der rechten Szene wahrnehmen. Nach dem Verbot der Fränkischen Aktionsfront (FAF) im Januar vergangen Jahres, scheint die rechte Szene Morgenluft gewittert zu haben. Reaktiviert wurde der Bund Frankenland e.V., der als Schnittstelle zwischen NPD und freien Kameradschaften fungiert. Während der ehemalige FAF-Kader Mathias Fischer in Fürth eine NPD-Ortsgruppe aufbaut, zeigen die Faschos in den Nürnberger Stadtteilen Gleishammer, Zerzabelshof und Mögeldorf verstärkt Präsenz. Vermehrt werden in diesen Stadtteilen Naziaufkleber geklebt und es kommt immer wieder zu Übergriffen auf ausländisch aussehende Personen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Gaststädte „Reichswald“, wo sich seit über einem Jahr regelmäßig jeden Freitag Abend Neonazis treffen. Als die Kneipe im März 2005 im Rahmen einer Antifa-Kaffeefahrt (Indymedia; Antifa-Kaffeefahrt 2005) öffentlich gemacht wurde, bezogen rund 40 Neonazis im Biergarten der Kneipe Stellung für ihren Treffpunkt. Der Bund Frankenland e.V. hatte im Vorfeld Flugblätter gegen „Linksterrorismus“ verteilt weil die Kneipe bereits zweimal von Antifas besprüht worden war. Regelmäßig bis zu seiner Festnahme war auch der Anti-Antifa – Aktivist Norman Kempken im Reichswald. Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung vor der Kneipe am 23.4.05 sitzt dieser jedoch in U-Haft.
Informelle Nazitreffpunkte wie Kneipen werden zur Agitation, Organisation und als Anlaufstelle für Neue genutzt. Sie stellen einen wichtigen Punkt für die Infrastruktur organisierter Neonazis dar. Deswegen halten wir es für richtig, ganz konkret auf die Schließung der Kneipe Reichswald hinzuarbeiten, um aufgebaute Nazistrukturen zu zerschlagen.

Doch den Blick alleine auf Neonazis zu richten und diese anzugreifen ist bei weitem nicht ausreichend. So sind doch organisierte Neonazis nur der militante Arm einer generellen Rechtsentwicklung dieser Gesellschaft. Ausdruck findet diese Rechtsentwicklung in der rassistischen Flüchtlingspolitik, einem neuen deutschen Nationalismus, dem Abbau des Sozialstaates und die weltweite Beteiligung der Bundeswehr an Kriegseinsätzen.
Die herrschenden politischen Verhältnisse betreiben einen aktiven Ausbau der Festung Europa, was zu einer rigideren Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden führt. „Auffanglager“ sollen Flüchtlinge an den Außengrenzen der EU zum umkehren zwingen. Gleichzeitig findet eine Umdeutung der deutschen Geschichte statt. Anlässlich der Gedenkveranstaltung zur Bombardierung Dresdens werden Täter zu Opfern stilisiert. Dabei wird komplett ausgeblendet, dass der deutsche Faschismus nur wegen seiner breiten Massenbasis so erfolgreich war. „Nicht trotz sondern wegen Auschwitz“ (vgl. deutscher Außenminister J. Fischer) wurde es unter der rotgrünen Bundesregierung möglich sich am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg 1999 gegen das ehemalige Jugoslavien zu beteiligen. Weiterhin wird die Bundeswehr zu einer Interventionsarmee umstrukturiert, um weltweit „humanitäre Politik“ durchzusetzen. Die „historische Verantwortung“ legitimiert dabei das neue deutsche Großmachtstreben. So wird eine der wichtigsten Lehren aus dem deutschen Faschismus -Nie wieder Krieg!- mit Füssen getreten, wenn es denn die Ökonomie erfordert.

Das kapitalistische System der Ausbeutung benötigt, um zu funktionieren, Menschen verschiedener Wertigkeiten. Dabei werden Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und das Patriarchat verwendet, um Menschen im Sinne des Kapitals verwertbar zu machen und zu spalten. Genauso wie 1933 der Faschismus einer Herrschaftsoption für das Kapital war, bleibt diese Möglichkeit auch heute noch offen, sollten die kapitalistischen Widersprüche sich verschärfen. Wir sagen dieser Entwicklung, wie diesen Verhältnissen den Kampf an und setzen uns ein für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Im konkreten Fall heißt das zunächst den Nazitreff Reichswald in Zabo dichtzumachen, Faschisten jeglicher Färbung radikal und beständig den Kampf anzusagen, Widerstand gegen Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Krieg zu leisten, und zwar auf allen Ebenen – mit allen Mitteln.

drucken | Continue | 14. Juni 2005 | Antifaschistisches Aktionsbündnis

Terminkalender

Samstag, 12.12.2020

Kultur braucht Freiräume – Projekt 31 erhalten

Das Projekt31 ist bedroht. Ein auslaufender Mietvertag, kapitalistische Investoren & steigende Bodenpreise machen nicht nur dem P31 zu schaffen sondern betreffen alle Freiräumen in der Region. Zeit dagegen etwas zu tun und den Projekten den Rücken zu stärken! Kommt am 12.12 14 Uhr zum Aufseßplatz und zeigt Eure Solidarität. Kein Tag ohne autonomes Zentrum! Im Folgenden dokumentieren wir den Aufruf des Projekt31 zur Demonstration:

Kultur braucht Freiräume – Projekt 31 erhalten

Mit Vorfreude auf das heutige Konzert kommst du zum Projekt 31. Schon auf dem Hof empfängt dich der köstliche Duft von veganem Essen, du begrüßt deine Freund*innen und holst dir eine Apfelschorle… Doch dein Traum findet ein jähes Ende und du stehst auf einem grauen, kalten Parkplatz wo früher unser Freiraum, das Projekt 31 war.

Dies könnte bald Wirklichkeit werden, denn unser Gelände wurde von einer Investmentfirma gekauft, welche ab Anfang Februar 2021 Eigentumswohnungen in den Hof bauen und unser Projekt in einen Parkplatz verwandeln will. Wir versuchen auf der mietrechtlichen Ebene und durch Gespräche mit Vertreter*innen von Stadt und Politik unsere Zukunft zu sichern, doch allein darauf können wir uns nicht verlassen. Deshalb versuchen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Erhalt unseres selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentrums zu sichern. Das Projekt 31 braucht eine Zukunft! Lasst und deswegen am 12.12. gemeinsam auf die Straße gehen! 

  Verdrängung unkommerzieller Räume  

Das Projekt 31 ist ein unkommerzieller Ort. Ein Raum, in dem eine Alternative zu den bestehenden Verhältnissen gelebt und geübt wird. Der Versuch, einen Freiraum zu schaffen, ohne Hierarchien, Diskriminierungen, Abwertungen. Ein Ort um sich zu vernetzen, auszuprobieren, zu begegnen. Ganz ohne Leistungsdruck oder Konsumzwang.

Solche Orte werden allerdings immer seltener. Inverstor*innen kaufen und kaufen, werden immer reicher, denn es geht dabei ausschließlich um Gewinnmaximierung, darum noch mehr Geld aus allem rauszuholen.

Die Mieten steigen und steigen für die Bewohner*innen der Stadt Nürnberg. Wer sich das nicht leisten kann, hat in dieser Logik auch keinen Platz verdient, wird verdrängt – wohin auch immer, das interessiert nicht. Selbst öffentliche Plätze werden privatisiert oder unliebsames Klientel durch Ordnungsamt und Polizei vertrieben. Durch die Verdichtung der Stadt gibt es keinen bezahlbaren Raum für Kulturschaffende – aber für Bürokomplexe wie die GFK finden sich große Areale. Damit noch mehr Pendler*innen angezogen werden, im Berufsverkehr in unserem Viertel stecken bleiben und uns wortwörtlich die Luft zum Atmen nehmen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Interessen von Mehrwert und Kapital über den Interessen der Menschen und ihren Bedürfnissen stehen. Einen Raum erhalten nicht die, die ihn nutzen und bespielen wollen, sondern die mit dem meisten Geld.

Diese Prozesse spielen sich nicht nur rund um das Projekt 31 ab, sondern überall. Egal ob mensch nach Berlin, Leipzig, Köln oder eben Nürnberg schaut – das Bild ist das gleiche: Wegnahme der Räume, fehlende finanzielle Ressourcen, politische Angriffe und Delegitimationsversuche. Denn es ist nicht nur die katastrophale Situation auf dem Immobilienmarkt dafür verantwortlich, sondern es geht auch um politische Interessen und Prioritäten. In einer zunehmend autoritären Gesellschaft, die immer weiter nach rechts rückt, werden auch Orte, die sich dem Widersetzen immer stärker bedroht. Während faschistische Tendenzen innerhalb der Gesellschaft immer deutlicher zutage treten, werden linke Räume deutschlandweit platt gemacht.

Kämpfe um den Erhalt von Räumen wie dem Projekt 31 sind somit immer auch Kämpfe für eine offene, antifaschistische und emanzipatorische Gesellschaft.

  Kultur von unten – Stadt für Alle  

Doch die Verdrängung von unkommerziellen, offenen Räumen führt notwendigerweise zu dem Ausschluss vieler Menschen aus der Öffentlichkeit, Teilhabe am kulturellen Leben wird zum Privileg. Der Mangel an bezahlbaren Proberäumen, Ateliers und anderen Kulturräumen ist seit Jahren bekannt, geändert hat sich nichts. Der alltägliche Kampf, genug Geld für die Miete aufbringen zu können, geht auf Kosten der Kreativität und der Freude an kreativen Prozessen.

Die mit der Corona-Pandemie einhergehende Wirtschaftskrise verschärft die Situation vieler Kulturschaffender zusätzlich. Doch anstatt die bestehende Kulturlandschaft zu unterstützen, agiert die Stadt oft im luftleeren Raum, verpulvert beispielsweise Geld für Wasserspiele auf einer neu errichteten Bühne am Dutzendteich für ein Publikum das Platz auf Tret- und Schlauchbooten einnimmt. Dies steht in krassem Widerspruch dazu, wie tatenlos zugeschaut wird, wie unkommerzielle kulturelle Räume verdrängt werden. Anstatt genug zentrale Orte für Kunst und Kultur zur Verfügung zu stellen und die Bedürfnisse der Kulturschaffenden ernst zu nehmen, bewirbt sich die Stadt lieber zur Kulturhauptstadt 2025. Es widerstrebt uns jedoch zutiefst in Wettbewerb mit anderen Städten und anderen Kulturläden zu treten und gegen sie zu konkurrieren. Kultur darf nicht zum Prestige-Objekt verkommen und ist erst recht kein Siegespokal den es zu gewinnen gilt.

Es geht um den Erhalt von kulturellen Räumen, genauso wie um bezahlbaren Wohnraum. Es geht um mehr Grünflächen in der Stadt, mehr Orte der Begegnung ohne Konsumzwang. Kurzum: Wir wollen eine Stadt für alle und eine Kultur von unten! Wir sind viele und wenn wir gemeinsam kämpfen, können wir auch gewinnen.

  Lasst uns auf die Straße gehen!  

Wo sollen sich Menschen kennen lernen, sich organisieren, sich politisch bilden, wenn es keine Räume gibt, an denen sie sich treffen können? Wie sollen Ideen entwickelt und Gedanken ausgetauscht werden, wenn immer Aufsichtspersonen anwesend sind, die jederzeit repressiv eingreifen können? Wie soll Eigeninitiative und Verantwortung geübt werden, wenn es hauptsächlich Räume gibt, an denen die Dinge von oben herab mit Hierarchien geregelt werden?

Geht gemeinsam mit uns am 12.12. auf die Straße, um zu zeigen, dass das Projekt 31 nicht verschwinden darf!

Denn kein Freiraum in Nürnberg oder sonst wo darf verschwinden! Im Gegenteil – wir brauchen noch viel mehr davon!

Wir wollen nicht mehr um unsere Zukunft bangen! Wir wollen eine Perspektive – und diese wollen wir selbst gestalten!

Don‘t go breaking my heart – Freiräume erhalten! Kommt mit uns auf die Straße! 12.12.2020 um 14 Uhr am Aufseßplatz Nürnberg  

Unterstützt von: Kneipenkollektiv Arsch & Friedrich, Bunkersyndikat, Initiative Mietenwahnsinn stoppen, Casablanca Filmkunsttheater, Radio – Z , Organisierte Autonomie, feministisches Konzertkollektiv Arsch & Frida, Armed with a Mind, Revolutionär organisierte Jugendaktion, Gruppe Antithese, Kunstverein, Infoladen Benario, Stadtteilzentrum Desi, FLINT* Komitee – für einen feminstischen Streik, 8. März Bündnis Nürnberg, Falken Nürnberg, Auf der Suche – Anarchistische Gruppe Nürnberg, Initiative Kunst braucht Raum, Zentrum Wiesengrund Erlangen, Antifaschistische Initiative – Das Schweigen durchbrechen, Interventionistische Linke Nürnberg, Trouble in Paradise, Wagenburg Kristallpalast, Sänders e.V., Mops von Gostenhof, Der Gostenhofer Dorfschulze, Krähengarten, Musikverein, AG Wohnen des Sozialforums Nürnberg, Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur, Politbande, Kulturliga, Cafe Kaya, Club Stereo, Eat-the-Beat e.V., E-Werk Erlangen, KulturKellerei, Kulturort Badstraße 8, Kunstkeller 027, MUZ Club, Mata Hari Bar, Nasty Entertainment, Die Rakete, nbg-breaks e.V.