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Dankesbrief der Rapper…


Kurzer Prozess – liebe Sabine

Bereits über einen Monat ist er jetzt her, der G8 Gipfel in Heiligendamm und allerseits geht es nun an die Auswertung des Widerstandes, der Arbeit vor dem Gipfel und vor allem darum wie es weiter geht. Im Vorfeld des Gipfels wurde hier auf der redside der Track „block g8“ der Nürnberger HipHop crew kurzer prozess veröffentlicht, der einer namhaften Lokalredakteurin ausreichte, die Rapper auf Seite drei der NN als Krawallschlager zu verunglimpfen. Das ganze liest sich dann so:

„Sogar die passende Musik gibt es dazu. Der Protest als Jugendevent. «Saugt
den Track, verbreitet ihn und sorgt nochmal für Stimmung!», lautet die
Aufforderung im Internet. Der Track, das ist ein Stück der HipHop-Band
«Kurzer Prozess». «Block, Block, Block G-8!», skandieren die Rapper und
rufen dann unverholen dazu auf, Krawall zu schlagen

Die crew kurzer Prozess nahms offenbar locker: statt wie massenhaft bereits geschehen, die mangelhaft Recherche des gesamten Artikels, der ohne jede Stichhaltigkeit Fakten durcheinander wirft und friedliche Blockadetrainings zusammenhangslos in den Kontext militanter Auseinandersetzungen stellt, in Leserbriefen zu kritisierten wählten die Rapper ihr eigenes Medium: Musik. Mit dem Track „liebe Sabine“ bedanken sich die Künstler sogar noch bei der Redakteurin für die mediale Aufmerksamkeit. Die crew hat das Lied auch der redside zu kommen lassen, und so gibt es das ganze jetzt auch hier zum Download:

Kurzer Prozess – liebe Sabine

Die Reaktion in Leserbriefen haben wir auch nochmal hier als jpeg Datei [1] zum nachlesen veröffentlicht…

Und so lautete der Artikel, den wir zu Dokumentationszwecken auch nochmal zum nachlesen anbieten wollen…

«Wir blockieren und wir randalieren»
Nürnberger Autonome mischen mit in Heiligendamm – In der «Desi» wurde die
Massenblockade trainiert

Linksradikale und Autonome aus Nürnberg mischen mit bei den Protesten gegen
den G-8-Gipfel in Heiligendamm. Sie schlossen sich der Kampagne «Block G-8»
an und übten die Massenblockade vorab in Rollenspielen. Teile der Szene
schrecken vor Gewalt nicht zurück.

Die Mobilisierung begann vor vielen Monaten; auf Treffen im
Stadtteilzentrum «Desi» oder im Szene-Treffpunkt «Schwarze Katze» in
Gostenhof. Sie erfolgte über Flugblätter, Publikationen wie Barricada
und das Internet. Die Richtung war klar: «Eines der zentralen Ereignisse
bei den Aktionen werden die Massenblockaden sein», heißt es auf einer
Internetseite, auf der die Organisierte Autonomie (OA), die Radikale Linke
und die Autonome Jugendantifa Nürnberg ihren Auftritt haben. Dort sprechen
sie dem Gipfel der G-8 jegliche Legitimität ab. Deshalb wollen sie
stören – notfalls mit allen Mitteln.

«Wenn Steine fliegen lernen»

Sogar die passende Musik gibt es dazu. Der Protest als Jugendevent. «Saugt
den Track, verbreitet ihn und sorgt nochmal für Stimmung!», lautet die
Aufforderung im Internet. Der Track, das ist ein Stück der HipHop-Band
«Kurzer Prozess». «Block, Block, Block G-8!», skandieren die Rapper und
rufen dann unverholen dazu auf, Krawall zu schlagen: «Ihr verschanzt Euch
hinter Stacheldraht, doch wir kommen tausendfach und sorgen mit Krawall für
das Ende Eurer Machenschaft…Wir blockieren und wir bleiben, randalieren,
wenn es sein muss… Und wenn die Steine anfangen, das Fliegen zu lernen,
sind sie selbst schuld daran!»

«Block G-8»-Rufe waren auch bei der Anti-G-8-Demo zu hören, die Ende
Mai vom Weißen Turm nach Gostenhof führte. Eine Aktivistin des «Block
G-8»-Bündnisses, die ihren Namen lieber für sich behält, erklärt
im Interview in der Sendung «Bambule» auf Radio Z, wer sich dahinter
verbirgt. Und räumt zumindest indirekt ein, dass die linksradikalen
Gruppen Gewalt als legitimes Mittel ansehen, um ihre Interessen
durchzusetzen: «Block G-8» – das Spektrum «reicht von linksradikalen
Gruppen oder Antifa-Gruppen bis hin zu eher gewaltfreien Gruppen oder auch
Gruppen aus dem kirchlichen Spektrum», sagt die Aktivistin.

Dass sich demokratische Gruppen mit Autonomen und Linksradikalen einlassen
und um des gemeinsamen Protestes willen kurzzeitig eine merkwürdige Melange
bilden, ist kein neues Phänomen. Auch bei den Demonstrationen gegen
Neonazi-Aufmärsche in Nürnberg war das mehrfach der Fall.

Ganz aktuell finden sich im «Anti-G-8-Bündnis Nürnberg-Fürth-Erlangen»
sowohl die Globalisierungskritiker von attac, die Evangelische Kirche, die
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft oder das Sozialforum, aber eben
auch die Organisierte Autonomie und die Radikale Linke. Dabei lassen
Letztere nicht den geringsten Zweifel daran, wohin die Reise geht. Sie
formulieren theoretisch zwar hehre Vorstellungen von einer Gesellschaft mit
absoluter sozialer Gerechtigkeit, einer Welt in Frieden und ohne
Unterdrückung. Der Weg dorthin sieht allerdings ganz anders aus.

Sie agitieren gegen den Staat – und zumindest in diesem einen Punkt
unterscheiden sie sich nicht von rechtsextremistischen Gruppierungen, die
von Linksradikalen ansonsten vehement bekämpft werden. Sie wollen den
Staat am liebsten abschaffen: «Wir kämpfen für eine freie
kommunistische Gesellschaft, die allen Reichtum gleichmäßig
verteilt» und «eine Gesellschaft ohne Staat», lässt die Organisierte
Autonomie wissen. Die Verfassungsschützer haben die Szene deshalb im Auge.
Ihren Erkenntnissen zufolge ist die Region Nürnberg das Zentrum der
Autonomen in Bayern. Die hiesige Szene soll 150 Mitglieder haben,
bayernweit sollen es rund 500 sein.

Lieblingsfeind: die Polizei

Manche Mitglieder sind im Schüleralter. Sie proben den Aufstand, spielen
Anarchie, sagen Beobachter. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist
zunehmend auf Krawall und Randale aus. Das bekommen vor allem die
Polizisten zu spüren; neben Rechtsextremisten die Lieblingsfeinde der
linken Szene. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht heißt es ganz
allgemein dazu: Die Linksextremisten «missachten demokratische
Mehrheitsentscheidungen und das Gewaltmonopol des Staates. Sie setzen sich
über das Recht der Menschen auf Freiheit und körperliche
Unversehrtheit hinweg, wenn dieses Recht ihren eigenen Interessen
entgegensteht».

Mitte Mai zündeten autonome Randalierer auf der Straße vor der
«Schwarzen Katze» Sperrmüll an. Sie bedrohten die Polizei und warfen
Flaschen nach den Beamten. Die Polizei schreibt ihnen auch den
Farbbeutel-Anschlag auf den Pharmakonzern «Novartis» zu. Am 1. Mai
schleuderten die Autonomen Flaschen und Steine bei der Anti-Nazi-Demo in
Richtung Polizei und Bayerns Innenminister Günther Beckstein. Im März
dieses Jahres gingen Autonome nach dem Abbruch eines umstrittenen
Jugendzentrums in Kopenhagen bei einer Spontan-Demo in Nürnberg, vermummt
und mit Farbbeuteln bewaffnet, auf die Polizei los.

Ein Beobachter der Szene: «Es geht einfach nur um Krawall gegen den Staat
und gegen alles, was Ordnung bedeutet.»