Doppeldemo gegen staatliche Repression

DoppeldemoRund 500 Menschen demonstrierten heute durch Nürnberg und Fürth, um die wachsende Repression gegen AntifaschistInnen in der Region anzuprangern. Viele PassantInnen zeigten sich interessiert und äußerten sich auch oft empört über das Verhalten von Bullen und Justiz. Bullen hielten sich zurück. Solidaritätsbündnis fordert auch weiterhin dazu auf Widerstand zu leisten, gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen und Betroffene nicht alleine zu lassen.

Bei strahlender Sonne trafen schon um zehn Uhr morgens die ersten DemonstrantInnen ein, um einen Infostand zu unterstützen, der nocheinmal möglichst viele PassantInnen mobilisieren sollte. Überraschenderweise und entgegen der vorher getroffenen Ansagen der Bullen, standen gleich vier Videobusse, teils zivil, teils grün, an allen Ecken des Platzes der Auftaktkundgebung und unterstrichen mit permanenten Aufnahmen die Brisanz des Mottos des Tages: „Gegen jede Kriminalisierung von AntifaschistInnen und AntikapitalistInnen, denn kriminell ist das System und nicht der Widerstand!“
„Lasst es krachen, lasst es knallen, den Bullen in den Rücken fallen!“

Den Tag verderben lies sich davon aber keiner und nachdem gegen 12:15 Uhr die Auftaktkundgebung begann war klar, dass die Demo ein voller Erfolg werden würde. Um auch alle nochmal zu informieren um was es ging, gab es erst mal einen Redebeitrag der Antifaschistischen Linken Fürth [ALF] zu hören, der die Repressionswelle in der Region, die vor gut einem Jahr begann zusammenfasste. Auch gab es noch ein Grußwort eines Antifaschisten zu hören der vor einem Jahr mit drei anderen zusammen mit dem Vorwurf festgenommen wurde, sie hätten antifaschistische Parolen mit Straßenmalkreide an Hauswände gemalt. Nachdem der berüchtigte Fürther Jugendrichter Engelhardt die vier zu Jugendarrest und Geldstrafen verurteilte, wurden sie letzten Mittwoch in zweiter Instanz Freigesprochen. Aus Sicht des Solidaritätsbündisses eine Selbstverständlichkeit, da ihnen die Tat nicht bewiesen werden konnte und auch der Vorwurf an sich eine Farce war. Gleichzeitig ist das Urteil aber auch als Erfolg der Antirepressionsarbeit zu werten, die große Teile der Öffentlichkeit informierte und schon zum Berufungsprozess eine Kundgebung mit über 60 TeilnehmerInnen auf die Beine stellte.
Rund 500 Menschen beteiligten sich dann auch an der heutigen Demo und zeigten laut und entschlossen, dass sie in keinster Weise von politischen Prozessen und Bullengewalt eingeschüchtert sind.
Vor dem Polizeipräsidium Nürnberg Mitte fand die erste Zwischenkundgebung statt, danach versüßten einige Rauchbomben und Knaller den Weg zurück durch die Karolinenstraße. Dieser wurde von Bullen und Ordnungsamt so vorgeschrieben, da ansonsten der Konsum in der parallel verlaufenden Breiten Gasse gestört werden könnte.

„Wir demonstrieren wo wir wollen, auch in euren U-Bahnstollen!“

Nach dem kurzen Weg weiter bis zum ehemaligen KOMM, jetzigen K4, gab’s dort abschließend noch zwei Redebeiträge und ein paar Infos zur nächste Woche stattfindenden Linken Literaturmesse, bei der es zahlreiche Buchvorstellungen und von Klassikern bis Neuerscheinungen alles was das linke Leser-Herz begehrt geben wird. (mehr Infos unter www.linke-literaturmesse.org).
Mit der U-Bahn ging’s dann weiter nach Fürth. Nach der 15-minütigen Fahrt, bei der zahlreiche zufällige MitfahrerInnen informiert und mit Parolen und Lieder beschallt wurden, empfing auf dem Bahnhofsvorplatz die Sonne die TeilnehmerInnen. Bevor es durch die Fußgängerzone weiter zum Fürther Amtsgericht ging gab’s nochmal einige Reden um neu dazu gekommene AntifaschistInnen und PassantInnen über die Vorkommnisse des letzten Jahres zu informieren. Schon in der Fürther Fußgängerzone begannen die ersten DemonstrantInnen die Stadt zu verschönern und schrieben mit Kreide Parolen auf den Boden und die Hauswände. Wenn irgendwelche Konzerne ihre Werbung dort zeigen dürfen, weshalb sollen dann nicht auch wir ein Zeichen gegen Nazis, Bullen und Kapitalismus setzen dürfen?

„Organisiert den Widerstand, malt mit Kreide an die Wand!“

Nachdem die ersten damit angefangen hatten, war auch der Rest nicht mehr aufzuhalten und viele FürtherInnen werden sich wohl noch lange über die Parolen und Statements gegen Ausbeutung und Unterdrückung freuen. Die Bullen wussten mit dieser Inflation des Kreideterrorismuses dann auch nichts mehr anzufangen bzw. wussten nicht was dagegen tun und beschränkten sich darauf, die Anmelderinnen wegen ein paar Knallern und DemonstrantInnen auf dem Gehsteig statt auf der Straße zu stressen. Unbeeindruckt von der Forderung des Ordnungsamtes und der Bullen im Park gegenüber der Fürther Bullenwache die Abschlusskundgebung abzuhalten, blieb die Demo mitten auf der Straße stehen. Immerhin verkündete auf dem polizeilich vorgesehene Platz sogar ein Schild, dass das Betreten der Grünfläche verboten ist.

„Beim Hungern und auch beim Essen, vorwärts und nicht vergessen, die Solidarität!“

Letztendlich fuhren alle wohlbehalten und ohne Festnahmen in der U-Bahn zurück Richtung Nürnberg. Im Stadtteilladen Schwarze Katze in Gostenhof gab’s noch leckeres Essen für die von dem doch sehr langen Tag erschöpften DemonstrantInnen.
Was bleibt vom heutigen Tag: Niemand ist alleine, bei staatlicher Represseion. Aus verschiedenen süddeutschen Städten kamen AntifaschistInnen und AntikapitalistInnen um ihre Soilidarität zu zeigen und auch um ihre eigenen Erfahrungen mit Repression zu erzählen. Beispielsweise erzählten Antifas aus Stuttgart über den Prozess gegen Anti-Nazi-AktivistInnen, die in Böblingen angeblich Nazis überfallen haben sollen und dafür teilweise zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Auch zeigte die Radikale Linke [RL] aus Nürnberg auf, inwieweit sich das neue bayrische Versammlungsgesetz im Zusammenhang mit Repression einordnen lässt. Vom Soli-Komitee www.natalja.blogsport.de gab’s einen Redebeitrag zu der Aktivistin Natalja aus dem Nürnberger Raum, die wegen verschiedenen Vorwürfen noch bis Mitte nächsten Jahres im Knast sitzt. In einem weiteren Redebeitrag setzte sich die organisierte autonmie (OA) mit Repression und dem Widerstand dagegen auseinander.
Passend zum Arbeitsbereich des Arschloch-ähh Jugendrichters Gerd Engelhardt wurde an seinem Arbeitsplatz, dem Fürther Amtsgericht, eine Rede der Autonomen Jugendantifa (AJA) zum Jugendstrafgesetz und jugendspezifischer Repression gehalten.
Zusätzlich referierte das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg über die polizeilichen Einschüchterungsversuche gegen Mitglieder des Bürgerforums Gräfenberg, die im Sommer dieses Jahres einen Aufmarsch der NPD erfolgreich blockierten.

Die Aktionen wurden von einem Solidaritätsbündnis bestehend aus dem Antifaschistischen Aktionsbündnis Nürnberg [AAB], der Antifaschistischen Linken Fürth [ALF] und der organisierten autonomie [OA], sowie zahlreichen unterstützenden Gruppen organisiert.

Zeigt Solidarität mit den Betroffenen staatlicher Verfolgung!
Denn:
Betroffen sind Einige, gemeint sind wir Alle!

Quelle: de.indymedia.org

drucken | 10. November 2008 | organisierte autonomie (OA)

Terminkalender

Samstag, 28.01.2023

Samstag 28.01. Komm zum Spieleabend im Stadtteilclub Reclaim Gostenhof ab 20 Uhr

Du hast lust gemeinsam mit anderen zu Spielen? Dann komm vorbei zu unserem Spieleabend im Stadtteilclub Reclaim Gostenhof um 20:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze. Ganz egal ob Karten- oder Brettspiel hier kannst du im lockeren Rahmen Mitspieler*innen finden und kennen lernen. Daneben wird für leckeres Essen gesorgt sein. Natürlich kannst du gerne auch eigene Spiele, die du schon immer mal ausprobieren wolltest mitbringen - das ist natürlich kein muss. Wir freuen uns auf einen gemeinsamen gemütlichen Abend. Zwischen 19:00 und 20:00 Uhr findet unser offenes Treffen statt, bei dem wir wie immer Aktivitäten planen um unseren gemeinsamen Interessen als Lohnabhängige und Mieter*innen in Gostenhof Ausdruck zu verleihen und Themen diskutieren die uns im Stadtteil umtreiben.
Dienstag, 31.01.2023

Gegen die Eskalation der „Gender-Debatte“ - Eine Einladung zum Gespräch

31. Januar 2023 || 18.30 Uhr || SCHWARZE KATZE || Untere Seitenstraße 1 || 90429 Nürnberg || Veranstaltung von Bettina Fellmann & Jörg Finkenberger Warum wird die Debatte um Geschlechtsidentität so emotional geführt? Warum laufen Auseinandersetzungen häufig auf Beleidi-gungen und Übergriffe hinaus? Viele vermeiden, überhaupt über dieses Thema zu reden. Die einen haben Angst, sich dazu zu äu-ßern, weil sie niemanden verletzen möchten – oder nicht selbst angegriffen werden wollen. Andere machen sich über die Ableh-nung lustig, die einige Menschen ihrem körperlichen Geschlecht gegenüber empfinden. Die gesellschaftliche Debatte führt zu einer Blockbildung, bei der die einzelnen Blöcke fortwährend unversöhnlich aufeinander einhauen. Das ist bekanntermaßen nicht nur bei diesem Thema so. Dabei bildet ‚die öffentliche Meinung‘ nicht ab, was die meis-ten wirklich denken. Beides hat fatale Folgen: Die Belange von Frauen stehen genauso auf dem Spiel wie die von homo- und bi-sexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen und ande-ren, deren ‚Rollenverhalten‘ oder sexuelles Begehren verachtet und verfolgt wird. Die Fragen, die diskutiert werden müssen, sind weitreichend: Wie wird in der heutigen Geschlechterordnung patriarchale Herr-schaft ausgeübt? Wie ist es in unserer hochindividualisierten Massengesellschaft um das ‚mit sich identische‘ Selbst bestellt? Was bedeutet geschlechtliche Selbstbestimmung? Welchen Stel-lenwert hat körperliche Unversehrtheit in diesem Zusammen-hang? Die bestehende Gesellschaft weicht, wo es geht, einer Auseinan-dersetzung mit ihren Grundtatsachen aus. Das verhindert die Ab-schaffung menschenfeindlicher Strukturen. Inwieweit kann in die-ser Gemengelage die aktuelle Debatte um Geschlecht und Identi-tät der Befreiung aller zuträglich sein? Um das zu klären, wollen wir von Widerstand und Anpassung reden; von geschlechtsspezi-fischer Gewalt und Flucht in Fiktionen; von Konfliktvermeidung und Verblendungszusammenhängen – und nicht zuletzt von dem Gefühl, falsch beschaffen und nie genug (da) zu sein. Wir haben keine fertigen Antworten. Stattdessen wollen wir ver-suchen, den gestellten Fragen im gemeinsamen Gespräch auf den Grund zu gehen. Bettina Fellmann wird über Identität und Erfahrung reden, sowie über das Verhältnis von vorgestellter und materieller Wirklichkeit, Jörg Finkenberger über Geschlechtskonformität und Selbsthass. Danach offene Diskussion.