Autonomes Glücksrad zur Wahl

„Ihre Wahl – das große Los? Ein Wechsel ist nicht wählbar. Er muss erkämpft werden“ Unter diesem Motto hieß es am Samstag vor der Bundestagswahl in Nürnberg: „Gewinnen, gewinnen, geewinneeen!“

Ihre Wahl - das große Los?

Ihre Wahl - das große Los?

Am 27. September erhielt der wahlberechtigte Teil der Bevölkerung Deutschlands wieder Gelegenheit, die eigene Stimme für weitere vier Jahre in einer Urne zu versenken. Da das System der Profitwirtschaft auch diesmal wieder nicht zur Abwahl stand, boten autonome SchaustellerInnen in der Nürnberger Innenstadt eine Abkürzung auf die Sonnenseite des Lebens: Das große Los im Kapitalismus, nämlich eine Existenz als Mitglied der oberen 10.000, konnte mit einem Drehen am Glücksrad gezogen werden. Die PassantInnen waren aufgefordert, über das Ihnen im Kapitalismus zugedachte Los und den Sinn der Stimmabgabe nachzudenken.

Das macht Laune, das macht Spaß!

Ich sehe wieder leuchtende und strahlende Gewinneraugen!

Ich sehe wieder leuchtende und strahlende Gewinneraugen!

Leider war die Teilnahme an der Verlosung nicht nur kostenlos, sondern auch umsonst. Auch nach 50 Durchgängen hielt das Rad nicht ein einziges mal beim Feld „KapitalistIn“ an. Statt neuer Freunde in Liechtenstein, einer gut funktionierenden Klassenjustiz und einem Heer von Repressionsorganen und PolitikerInnen zu ihren Diensten erhielten die potentiellen GewinnerInnen z.B. das Los einer Frau im Patriarchat und Kapitalismus zugeteilt. Oder das Los eines Rentners, Schülers oder Azubis, einer Arbeitslosen, eines Kranken oder Behinderten, das Los eines Flüchtlings oder eines Erwerbstätigen.

Ändern Sie Ihr Schicksal, ziehen Sie ein Los! Ändern Sie ihr Los!

Und darum wieder mitspielen, hier geht es wieder rund!

Und darum wieder mitspielen, hier geht es wieder rund!

Nicht nur die Umstände, die der Kapitalismus für diese Personengruppen bereit hält, wurden den ZuhörerInnen mitgeteilt, sondern natürlich wurde auf den Losen und im Vortrag eine Lösung vorgeschlagen:

„Es liegt an Ihnen. Wollen Sie dieses Los annehmen oder entscheiden Sie sich gegen ein System, das Ausbeutung und Unterdrückung zur Norm erklärt? Ein Wechsel, Damen und Herren, ein Wechsel ist nicht wählbar. Er muss erkämpft werden. Machen Sie sich selbst zum Hauptgewinn. Vielleicht stellen Sie fest, dass es sich lohnt, für die eigenen Interessen, für die Interessen der großen Mehrheit selbst einzustehen und zu kämpfen, in der Schule, im Betrieb, im Stadtteil. Für eine gerechte Gesellschaft. Für die soziale Revolution! Es gibt eine Welt jenseits des Kapitalismus!“

Die Aktion wurde ausgerichtet vom SchaustellerInnen-Arbeitskreis der organisierten autonomie (OA) und wurde begleitet von der Ausstellung „Gegen die Verbrechen der herrschenden Klasse!“.

Das Flugblatt zur Aktion findet ihr hier (Vorderseite, Rückseite) als PDF
Erstveröffentlichung: de.indymedia.org

drucken | 29. September 2009 | organisierte autonomie (OA)