Antikapitalistischer Block auf DGB-Demo

Demo-Geschichte_wird_gemachtFür den 13.11. hatte der DGB unter dem Motto „Gerechtigkeit ist etwas anderes – wir brauchen einen Kurswechsel “ in mehreren Städten zu Großdemonstrationen gegen den Kurs der Bundesregierung und gegen deren Sparpaket aufgerufen. In Nürnberg trafen sich DemonstrantInnen aus ganz Bayern an vier Punkten, von denen aus Demonstrationszüge zur Abschlusskundgebung vor dem Gewerkschaftshaus in der Innenstadt liefen. Selbstverständlich war auch die revolutionäre Linke mit einem Block vertreten. Die organisierte autonomie (OA), ROJA, DKP und SDAJ hatten unter dem Motto „Geschichte wird gemacht. Gemeinsam. Solidarisch. Kämpferisch.“ zu diesem Block aufgerufen, mehrere andere linke Organisationen aus Nürnberg und Fürth unterstützten die Durchführung des Blocks.

An die 30.000 TeilnehmerInnen hatten der DGB und die Polizei vor Abschluss der Nürnberger Kundgebung geschätzt, und dies dürfte von der Größenordnung her sogar ungefähr stimmen.
Demo-Geschichte_wird_gemacht_2Am antikapitalistischen Block beteiligten sich etwa 3oo Menschen. Gut mit Fahnen, Transparenten und Schildern bestückt brachte der Block deutlich zum Ausdruck, dass die Lösung nicht in einer Umgestaltung des Kapitalismus liegt, sondern in seiner Überwindung. Laut waren die TeilnehmerInnen trotz des schleppenden Tempos der Demo auch die meiste Zeit, und das obwohl die DGB-Demoleitung dem Lautsprecherwagen des Blocks die Teilnahme verwehrte. Durchsetzen ließ sie diesen Ausschluss durch die Polizei. Dies war eine sehr unfreundliche Geste, zumal die sozialen Bewegungen auf den Bündnistreffen im Vorfeld vom DGB Mittelfranken darum gebeten wurden, eigene Propagandamittel beizusteuern. Der Teil der Demo um den Block herum blieb also unbedröhnt – der Wirkung und der Stimmung tat´s keinen Abbruch.

Positiv fiel auch auf, dass der vor allem auf der Abschlusskundgebung massenhaft verteilte Aufruf des antikapitalistischen Blocks von sehr vielen Menschen gelesen wurde. Dies lag wohl hauptsächlich daran, dass er von der graphischen und textlichen Form her recht ungewöhnlich war.

Die offizielen Reden von der Bühne herab blieben gewohnt seicht. Ein großer Teil der KundgebungsteilnehmerInnen hätte wohl deutlichere Worte und vor allem einen Ruf zu wirksamen Protest- und Widerstandsformen begrüßt. Doch dergleichen war vom DGB an diesem Tag nicht zu erwarten.
Ein Sprecher der organisierten autonomie hierzu:
Wir finden es gut, dass der DGB gegen die Pläne der Regierung Druck machen will. Die Forderung von ver.di nach dem Recht auf politischen Generalstreik weist in die richtige Richtung um gesellschaftlichen Widerstand aufzubauen. Dazu müssen die Gewerkschaften aber einsehen, dass sie über eine rein rhetorische Forderungen hinaus müssen. Mit unserem antikapitalistischen Block auf der Demo fordern wir unter anderem die Aufkündigung der sogenannten Sozialpartnerschaft! Dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden ist keine Neuheit in der BRD. Daran werden auch SPD und Grüne nichts ändern können und wollen. Es darf nicht vergessen werden, dass die vermeintliche Opposition aus SPD und Grünen mit der Agenda 2010 und Hartz IV einen politischen Grundstein für das Sparpaket gelegt haben.
Egal ob wir für ein Sozialticket, eine andere Bildung oder gegen das Sparpaket kämpfen, wir dürfen uns nicht länger auf Parteien verlassen, sondern müssen anfangen endlich selbst für unsere Bedürfnisse und Interessen einzutreten.

Den märchenhaften Aufruf zum antikapitalistischen Block findet ihr hier

Erstveröffentlichung: de.indymedia.org

drucken | 20. November 2010 | organisierte autonomie (OA)

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Dienstag, 31.01.2023

Gegen die Eskalation der „Gender-Debatte“ - Eine Einladung zum Gespräch

31. Januar 2023 || 18.30 Uhr || SCHWARZE KATZE || Untere Seitenstraße 1 || 90429 Nürnberg || Veranstaltung von Bettina Fellmann & Jörg Finkenberger Warum wird die Debatte um Geschlechtsidentität so emotional geführt? Warum laufen Auseinandersetzungen häufig auf Beleidi-gungen und Übergriffe hinaus? Viele vermeiden, überhaupt über dieses Thema zu reden. Die einen haben Angst, sich dazu zu äu-ßern, weil sie niemanden verletzen möchten – oder nicht selbst angegriffen werden wollen. Andere machen sich über die Ableh-nung lustig, die einige Menschen ihrem körperlichen Geschlecht gegenüber empfinden. Die gesellschaftliche Debatte führt zu einer Blockbildung, bei der die einzelnen Blöcke fortwährend unversöhnlich aufeinander einhauen. Das ist bekanntermaßen nicht nur bei diesem Thema so. Dabei bildet ‚die öffentliche Meinung‘ nicht ab, was die meis-ten wirklich denken. Beides hat fatale Folgen: Die Belange von Frauen stehen genauso auf dem Spiel wie die von homo- und bi-sexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen und ande-ren, deren ‚Rollenverhalten‘ oder sexuelles Begehren verachtet und verfolgt wird. Die Fragen, die diskutiert werden müssen, sind weitreichend: Wie wird in der heutigen Geschlechterordnung patriarchale Herr-schaft ausgeübt? Wie ist es in unserer hochindividualisierten Massengesellschaft um das ‚mit sich identische‘ Selbst bestellt? Was bedeutet geschlechtliche Selbstbestimmung? Welchen Stel-lenwert hat körperliche Unversehrtheit in diesem Zusammen-hang? Die bestehende Gesellschaft weicht, wo es geht, einer Auseinan-dersetzung mit ihren Grundtatsachen aus. Das verhindert die Ab-schaffung menschenfeindlicher Strukturen. Inwieweit kann in die-ser Gemengelage die aktuelle Debatte um Geschlecht und Identi-tät der Befreiung aller zuträglich sein? Um das zu klären, wollen wir von Widerstand und Anpassung reden; von geschlechtsspezi-fischer Gewalt und Flucht in Fiktionen; von Konfliktvermeidung und Verblendungszusammenhängen – und nicht zuletzt von dem Gefühl, falsch beschaffen und nie genug (da) zu sein. Wir haben keine fertigen Antworten. Stattdessen wollen wir ver-suchen, den gestellten Fragen im gemeinsamen Gespräch auf den Grund zu gehen. Bettina Fellmann wird über Identität und Erfahrung reden, sowie über das Verhältnis von vorgestellter und materieller Wirklichkeit, Jörg Finkenberger über Geschlechtskonformität und Selbsthass. Danach offene Diskussion.