06.11 – The Coup

Di., 06.11. | 21.00 Uhr | Stadtteilzentrum DESI

„Die einzige Untergrund-Rap-Crew, die es in die BILD Zeitung geschafft hat – ein Titel auf den das Oaklander Hip Hop-Duo The Coup sicher gerne verzichtete. Aber erstens kommt bekanntlich alles anders und, zweitens, als man denkt. Und wer konnte schon im August 2001 ahnen, dass ein Plattencover, auf dem die Türme des World Trade Centers gesprengt werden, nur wenige Wochen später zur geschichtsverändernden Realität wird.  
Anfang der Neunziger schließen sich die Rapper Raymond „Boots“ Riley und E-Roc, sowie die Plattendreherin DJ Pam The Funkstress im kalifornischen Oakland zu The Coup zusammen. Alle drei, in erster Linie aber Boots Riley, blicken auf einen politisch aktiven Background zurück. Als Afroamerikaner aus Oakland liegt das nicht fern. Dort gründeten Mitte der Sechziger Jahre die Studenten Huey P. Newton und Bobby Seale die Black Panther Party und führten die Belange des Civil Rights Movements mit ihren sozialistischen, aber vor allem radikalen Ideologien einen Schritt weiter als ein Martin Luther King oder eine Rosa Parks.
The Coup sehen sich von Beginn in der sozialistischen Tradition der Black Panthers – sie lesen Marx‘ „Kommunistisches Manifest“ und Frantz Fanons „The Wretched of the Earth“. Musikalisch orientieren sie sich bei Public Enemy und KRS-One, die die Speerspitze der politisch-bewegten Rap-Szene bilden. Während sich jedoch KRS-One und Chuck D. meist auf die prekären Verhältnisse des afroamerikanischen Struggles konzentrieren, öffnen The Coup ihre Kritik auf weitergefasste Probleme wie etwa die Kapitalismus-Kritik.
Außerdem unterscheidet sich das Trio auch musikalisch von seinen Vorbildern wie Public Enemy. Während PEs Bomb Squad Chuck und Flav mit explosiven Drum-Salven und kreischenden Samples versorgt, orientieren sich The Coup eher an einem zurückgelehnteren und entspannten Siebziger Funk à la Parliament und Funkadelic.
Sowohl das Debüt „Kill My Landlord“ (1993), wie auch der Zweitling „Genocide & Juice“, ein Jahr später, bringen die Formel aus funkigen Basslines und links-ideologischen Texten auf den Punkt. Der The Coup-Sound und seine Aussagen sind in sich schlüssig, doch scheint sich in der Hochphase des Ghetto-Realitäts-Raps (Nas‘ „Illmatic“, Wu-Tangs „36 Chambers“ oder Biggies „Ready To Die“) keiner für die Belange der Oaklander Band zu interessieren. The Coup geschieht in erster Linie abseits der breiten Öffentlichkeit.
Vielleicht ein Grund für Rapper E-Roc die Band nach der Veröffentlichung von „Genocide & Juice“ zu verlassen. Die Zeiten stehen schlecht für The Coup. Man trennt sich vom langjährigen Label Wild Pitch Records und legt die Band vorläufig auf Eis. Pam kommt als DJ über die Runden und Boots schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, ohne aber sein politisches Engagement zu unterlassen.
Als Duo kommen Pam und Boots schließlich einige Jahre später erneut zusammen und ihnen gelingt 1998 eine weitläufig unterschätzte Großtat des Genres. Abseits jeglicher Klischees (ausgenommen der politischen vielleicht) präsentiert sich „Steal This Album“ als inhaltsvolles, musikalisch unterhaltsames Gesamtwerk.
„Steal This Album“ arbeitet mit unterschwelligem Humor, der so scharfsinnig wie nur wenige Genre-Kollegen es vermögen die eigene Existenz zwischen Afrozentrizität und US-Bürgertum zu erörtert. Zusätzlich brilliert Rapper Boots etwa auf dem siebenminütigen Track „Me And Jesus The Pimp In A ’79 Granada Last Night“ als begnadeter Storyteller, der einen Vergleich mit Slick Rick nicht scheuen brauch.
The Coup haben wieder neue musikalische Motivation gefunden und kündigen für Mitte 2001 ihr viertes Album an. Das kommt noch vor Veröffentlichung zu ungewohnter Publicity – der Grund dafür ist jedoch eher ernüchternd. Das Cover zeigt Boots und Pam vor dem New Yorker World Trade Center, das gerade in die Luft fliegt. Im Vordergrund löst Boots die Sprengung aus, die sehr stark an die Explosion erinnert, die nur Tage zuvor – am 11. September – die Türme dem Erdboden gleich gemacht hat. The Coup haben Glück im Unglück, da die VÖ der Platte erst ansteht. Man ändert also das Cover, um im von der Katastrophe paralysierten Amerika nicht gelyncht zu werden.
Das eigentliche Cover macht trotzdem die Runde, verbreitet sich durch die Medien und landet schließlich sogar aufreißerisch in der führenden deutschen Boulevard-Zeitung BILD. So sind The Coup schließlich ein weltweites Gesprächsthema – von der neuen Platte „Party Music“ will trotzdem niemand wirklich was hören. Und auch hier verpasst die Öffentlichkeit den gewohnt qualitativ hohen Mix aus funkigem Hip Hop und tiefgehenden Lyrics.
Wie die Medienlandschaft so ist, ebbt auch das (gehypte) Interesse an The Coup wieder ab. Alles beim alten also. Boots widmet sich seiner politischen Aktivitäten, Pam arbeitet in erster Linie als DJ weiter. Musik machen sie auch weiterhin gemeinsam, was schließlich 2006 in ihrem fünften Album „Pick A Bigger Weapon“ kulminiert. Für den Longplayer nimmt die beiden Epitaph Records unter Vertrag, musikalisch holen sie sich Unterstützung von Audioslaves/Rage Against The MachinesTom Morello, dem Tony! Toni! Toné!-Musiker D’Wayne Wiggins, sowie The Roots-Rapper Black Thought und Talib Kweli.“
(laut.de)

In der Desi werden sie mit kompletter Band zu sehen sein. Wir freuen uns!

Veranstalterin: unspoken words & DESI Programmgruppe

drucken | 25. Oktober 2012 | organisierte autonomie (OA)

Ein Kommentar

  • 1. The Coup « Kritisch&hellip  |  26. Oktober 2012 um 01:57 Uhr

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Terminkalender

Dienstag, 31.01.2023

Gegen die Eskalation der „Gender-Debatte“ - Eine Einladung zum Gespräch

31. Januar 2023 || 18.30 Uhr || SCHWARZE KATZE || Untere Seitenstraße 1 || 90429 Nürnberg || Veranstaltung von Bettina Fellmann & Jörg Finkenberger Warum wird die Debatte um Geschlechtsidentität so emotional geführt? Warum laufen Auseinandersetzungen häufig auf Beleidi-gungen und Übergriffe hinaus? Viele vermeiden, überhaupt über dieses Thema zu reden. Die einen haben Angst, sich dazu zu äu-ßern, weil sie niemanden verletzen möchten – oder nicht selbst angegriffen werden wollen. Andere machen sich über die Ableh-nung lustig, die einige Menschen ihrem körperlichen Geschlecht gegenüber empfinden. Die gesellschaftliche Debatte führt zu einer Blockbildung, bei der die einzelnen Blöcke fortwährend unversöhnlich aufeinander einhauen. Das ist bekanntermaßen nicht nur bei diesem Thema so. Dabei bildet ‚die öffentliche Meinung‘ nicht ab, was die meis-ten wirklich denken. Beides hat fatale Folgen: Die Belange von Frauen stehen genauso auf dem Spiel wie die von homo- und bi-sexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen und ande-ren, deren ‚Rollenverhalten‘ oder sexuelles Begehren verachtet und verfolgt wird. Die Fragen, die diskutiert werden müssen, sind weitreichend: Wie wird in der heutigen Geschlechterordnung patriarchale Herr-schaft ausgeübt? Wie ist es in unserer hochindividualisierten Massengesellschaft um das ‚mit sich identische‘ Selbst bestellt? Was bedeutet geschlechtliche Selbstbestimmung? Welchen Stel-lenwert hat körperliche Unversehrtheit in diesem Zusammen-hang? Die bestehende Gesellschaft weicht, wo es geht, einer Auseinan-dersetzung mit ihren Grundtatsachen aus. Das verhindert die Ab-schaffung menschenfeindlicher Strukturen. Inwieweit kann in die-ser Gemengelage die aktuelle Debatte um Geschlecht und Identi-tät der Befreiung aller zuträglich sein? Um das zu klären, wollen wir von Widerstand und Anpassung reden; von geschlechtsspezi-fischer Gewalt und Flucht in Fiktionen; von Konfliktvermeidung und Verblendungszusammenhängen – und nicht zuletzt von dem Gefühl, falsch beschaffen und nie genug (da) zu sein. Wir haben keine fertigen Antworten. Stattdessen wollen wir ver-suchen, den gestellten Fragen im gemeinsamen Gespräch auf den Grund zu gehen. Bettina Fellmann wird über Identität und Erfahrung reden, sowie über das Verhältnis von vorgestellter und materieller Wirklichkeit, Jörg Finkenberger über Geschlechtskonformität und Selbsthass. Danach offene Diskussion.