Bleiberecht für Carry und Carolin

Logo_Kein_Mensch_ist_illegalIm Jahr 1995 kam Carry (Name geändert) aus Nigeria nach Deutschland. Vor 14 Jahren wurde dann ihre Tochter Carolin (Name geändert) mit einer geistigen Behinderung geboren. Jetzt soll die Familie zurück nach Nigeria abgeschoben werden – eine Entscheidung die im höchsten Maß menschenunwürdig ist. Aus diesem Grund hat sich in Fürth ein Bündnis unter dem Namen „Bleiberecht für Carry und Carolin“ gegründet, das sich zur Aufgabe gemacht hat, den Fall öffentlich zu machen und die Abschiebung zu verhindern.

Mittwoch, 24.07. | 14.00 Uhr | Rathaus Fürth
Kundgebung für das Bleiberecht für Carry und Carolin

Zur Dokumentation der Offene Brief des Bündnisses:

Carolin wurde in Fürth geboren, doch Deutschland ist eines der wenigen Länder, in dem sich die Nationalität nicht nach dem Geburtsort richtet, sondern nach dem „Blut“, also der Nationalität der Mutter. Bis jetzt durften Carolin und Carry hierbleiben, doch ihre Aufenthaltserlaubnis wurde nicht verlängert und nur noch Duldungen ausgesprochen. Da der Rechtsweg nahezu ausgeschöpft ist, steht die Abschiebung der Familie laut ihres Anwalts bevor.
Carolin wird, nach Einschätzung der Lebenshilfe e.V. ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen sein, die es in Nigeria schlichtweg nicht gibt. Eine angemessene schulische Bildung wäre durch die Abschiebung unmöglich, auch weil Carolin nur Deutsch spricht. Außerdem spielt ihr soziales Umfeld eine tragende Rolle für sie und ihr Wohlbefinden. Darüber hinaus wird Nigeria zurzeit von schweren sozialen und politischen Unruhen erschüttert, die ein sicheres Leben für einen Menschen mit Behinderung unmöglich machen. Die Fürther Ausländerbehörde hat trotz allem gegen Carolin und ihre Mutter entschieden. Die drohende Abschiebung ist aus humanitärer Sicht unvertretbar und stellt darüber hinaus einen Verstoß gegen die UN-Menschenrechtskonvention dar.

Doch der Fall von Carry und Carolin steht beispielhaft für den generellen Umgang der BRD und EU mit Flüchtlingen. An den Außengrenzen der EU sterben jährlich Zehntausende auf der Flucht vor Krieg, Armut und Hunger bei dem Versuch das vermeintliche Glück in Europa zu finden. Dort angekommen erwartet sie oftmals Rassismus und Ausgrenzung, auch von staatlichen Stellen. Dass ein Umgang seitens der Behörden, wie im Fall von Carolin und Carry nichts Außergewöhnliches ist, zeigen verschiedene Beispiele aus ganz Deutschland. Gerade Bayern pflegt in Sachen Flüchtlingspolitik eine harte, offen rassistische Gangart, wie die Räumung des Camps der hungerstreikenden Flüchtlinge in München oder der wieder einmal unzumutbare Zustand in der überfüllten „Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Nordbayern (ZAST)“ in Zirndorf zeigen.

Die Abschiebung von Carry und Carolin muss unter allen Umständen verhindert werden. Wir fordern die Stadt Fürth, sowie weitere zuständigen Stellen und die Ausländerbehörde dazu auf, die drohende Abschiebung von Carry und Carolin zu stoppen und ihnen einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu verleihen – eine Abschiebung werden wir nicht akzeptieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Bündnis „Bleiberecht für Carry und Carolin“
Darin vertreten u.A.:
Antifaschistische Linke Fürth, Andre Baumgärtner (Vorstand im Behindertenrat der Stadt Fürth), Brigitte Dietrich (Stadträtin Grüne), Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus Fürth, Die Linke Fürth, Fürther Erwerbsloseninitiative, Fürther Sozialforum, GEW Bezirk Mittelfranken, Lydia Bauer-Heckler (Bezirksratkandidatin Grüne), Nicaragua Verein Fürth, Ullrich Schönweiß (Stadtrat Die Linke)

drucken | 15. Juli 2013 | Antifaschistische Linke Fuerth

Terminkalender

Dienstag, 31.01.2023

Gegen die Eskalation der „Gender-Debatte“ - Eine Einladung zum Gespräch

31. Januar 2023 || 18.30 Uhr || SCHWARZE KATZE || Untere Seitenstraße 1 || 90429 Nürnberg || Veranstaltung von Bettina Fellmann & Jörg Finkenberger Warum wird die Debatte um Geschlechtsidentität so emotional geführt? Warum laufen Auseinandersetzungen häufig auf Beleidi-gungen und Übergriffe hinaus? Viele vermeiden, überhaupt über dieses Thema zu reden. Die einen haben Angst, sich dazu zu äu-ßern, weil sie niemanden verletzen möchten – oder nicht selbst angegriffen werden wollen. Andere machen sich über die Ableh-nung lustig, die einige Menschen ihrem körperlichen Geschlecht gegenüber empfinden. Die gesellschaftliche Debatte führt zu einer Blockbildung, bei der die einzelnen Blöcke fortwährend unversöhnlich aufeinander einhauen. Das ist bekanntermaßen nicht nur bei diesem Thema so. Dabei bildet ‚die öffentliche Meinung‘ nicht ab, was die meis-ten wirklich denken. Beides hat fatale Folgen: Die Belange von Frauen stehen genauso auf dem Spiel wie die von homo- und bi-sexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen und ande-ren, deren ‚Rollenverhalten‘ oder sexuelles Begehren verachtet und verfolgt wird. Die Fragen, die diskutiert werden müssen, sind weitreichend: Wie wird in der heutigen Geschlechterordnung patriarchale Herr-schaft ausgeübt? Wie ist es in unserer hochindividualisierten Massengesellschaft um das ‚mit sich identische‘ Selbst bestellt? Was bedeutet geschlechtliche Selbstbestimmung? Welchen Stel-lenwert hat körperliche Unversehrtheit in diesem Zusammen-hang? Die bestehende Gesellschaft weicht, wo es geht, einer Auseinan-dersetzung mit ihren Grundtatsachen aus. Das verhindert die Ab-schaffung menschenfeindlicher Strukturen. Inwieweit kann in die-ser Gemengelage die aktuelle Debatte um Geschlecht und Identi-tät der Befreiung aller zuträglich sein? Um das zu klären, wollen wir von Widerstand und Anpassung reden; von geschlechtsspezi-fischer Gewalt und Flucht in Fiktionen; von Konfliktvermeidung und Verblendungszusammenhängen – und nicht zuletzt von dem Gefühl, falsch beschaffen und nie genug (da) zu sein. Wir haben keine fertigen Antworten. Stattdessen wollen wir ver-suchen, den gestellten Fragen im gemeinsamen Gespräch auf den Grund zu gehen. Bettina Fellmann wird über Identität und Erfahrung reden, sowie über das Verhältnis von vorgestellter und materieller Wirklichkeit, Jörg Finkenberger über Geschlechtskonformität und Selbsthass. Danach offene Diskussion.