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Teil 1: Geschichte des revolutionären 1. Mai in Nürnberg

D [1]er erste Mai steht wie jedes Jahr vor der Tür. Aus diesem Anlass heraus wollen wir hier nochmal einen kleinen Rückblick auf die Geschichte der revolutionären ersten Mai Demonstration in Nürnberg geben. Das Ganze wird in den nächsten Tagen erscheinen. Beginnen werden wir mit den Entwicklungen bis 1987. Viel Spaß beim lesen.

Wenn man über den 1. Mai in Nürnberg spricht, kommt man seit den späten 80er Jahren nicht mehr drum herum die Aktivitäten der Nürnberger Autonomen Szene zu nennen. Um einen groben Überblick zu schaffen, wie eine am Anfang insbesondere auf Hausbesetzungen spezialisierte Bewegung dahin kam, am Kampftag der ArbeiterInnenklasse eine größere Demo auf die Beine zu stellen als der DGB, fangen wir mit ein wenig Hintergrundinfos zur Geschichte der Autonomen in Nürnberg an.

Am Anfang interessierte die Autonomen der 1. Mai nur wenig. Viel mehr war man in dieser Zeit mit Hausbesetzungen (ja auch in Nürnberg) beschäftigt. Aus der HausbesetzerInnen-Szene entstanden dann die ersten etwas fester organisierten Zusammenhänge so auch die Gruppe Prolos, die bis heute ein Bestandteil autonomer Politik in Nürnberg ist. Nach langandauernden und teilweise hart geführten Auseinandersetzungen mit Stadt und Staat fand die Häuserkampfbewegung in Nürnberg ihr faktisches Ende mit der bayerischen Linie von 82, die vorgibt, jedes besetzte Haus innerhalb von 24 Stunden zu räumen.
Mit den Erfahrungen, den entstandenen Gruppen und der erkämpften Infrastruktur in Form von Hausprojekten, wie dem bis heute bestehenden Olaf-Ritzmann-Kollektiv, erweiterten die Autonomen ihre Inhalte. Internationale Solidarität mit den Befreiungsbewegungen im Nahen Osten oder Südamerika, sowie ein allgemeiner Kampf gegen Imperialismus, NATO und Kriegspolitik standen nun im Mittelpunkt.
Nach der Häuserkampfbewegung waren die Autonomen vorerst nicht in der Lage eigene Demos zu stemmen und so beteiligte man sich hauptsächlich an anderen, auch nicht in Nürnberg stattfindenden Demonstrationen, mit eigenem, oftmals militantem Ausdruck.
Mit zunehmender theoretischen Bildung in der damaligen autonomen Szene rücken Themen wie Klassenkampf mehr in den Mittelpunkt und erste Aktionen folgen (1985), die sich nicht nur mit nationalen Befreiungsbewegungen sondern mit der ArbeiterInnenklasse als solcher beschäftigen. Man beschäftigte sich zwar immer noch mit Befreiungsbewegungen wie PLO und Sandenisten aber akzeptierte trotz solidarischer Grundhaltung nicht mehr den hegemonialen Anspruch der Antiimps, die die Inhalte und Strategie der Stadtguerillagruppen teilten. Der Klassenkampf war als Strategie auf die Tagesordnung gesetzt geworden. Mit dieser Ausrichtung rückten Diskussionen um die Organisationsfrage in den Mittelpunkt. Die Beantwortung dieser sollte sich jedoch aufgrund tagespolitischer Auseinandersetzungen, wie etwa der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf nach hinten verschieben. Die Kämpfe in Wackersdorf führten zu einem massiven Aufschwung der autonomen Szene. Überall sprießen Gruppen aus dem Boden, die sich insbesondere mit der WAA beschäftigen. Teile der Nürnberger Bewegung konzentrierten sich im Gegensatz zu dem Rest jedoch nicht nur auf die Kämpfe dort, sondern führten Debatten um eine klassenkämpferische Neuausrichtung und eine festere Organisation fort. In diesem Diskurs plädierten diese Teile der Autonomen für eine Zusammendenken der politischen Kämpfe (etwa Anti-AKW, Hausbesetzungen, etc.) und dem alltäglichen ökonomischen Kampf der lohnabhängigen Klasse, als Teil derer man sich inzwischen begreift.
So beteiligen sich mit einem ersten Schritt am 1. Mai 86 circa 100 Autonome mit einem eigenen Block an der DGB Demo. Im selben Jahr wird in Gostenhof die Stadtteilarbeit aufgenommen.Im darauffolgenden Jahr einigte man sich im neu entstandenen antikapitalistischen Plenum auf Initiative der Gruppe Prolos auf eine Aktions-und Veranstaltungswoche im Vorfeld zum ersten Mai in verschiedenen Städten. Am Tag selbst sollte es einen zentralen Block auf der DGB Demo in Nürnberg geben. Nach Veranstaltungen in Erlangen, Heilbronn, München und Nürnberg beteiligten sich auch rund 400 Menschen. Ebenfalls 87 fand auch das 1. Autonome Mai fest im KOMM mit 600 Gästen statt.

Fortsetzung folgt …