Wir lassen uns nicht durch steigende Mieten und Ausverkauf verdrängen

Wir dokumentieren hier den Redebeitrag der Initiative Mietenwahnsinn stoppen gehalten auf der Kundgebung am Jamnitzerplatz „Jamnitzer für Alle – gegen eine Stadt der Reichen!“ und zeigen unsere Solidarität mit den Angeklagten am kommenden Dienstag.

Wir, die Nutzerinnen und Nutzer des Jamnitzer Platzes. Wir, die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Stadtteils, wir haben hier und heute eine Nachricht an die Stadt, an ihre Cops und an die paar Eigentümer, die es immer mal wieder versuchen: Wir lassen uns nicht verdrängen! Wir lassen uns nicht durch steigende Mieten und Ausverkauf verdrängen.Wir lassen uns genauso wenig von unseren Plätzen und Parks verdrängen! Wir, das sind Kinder, Jugendliche, Familien, Obdachlose, RenterInnen, wir alle sind die NutzerInnen des öffentlichen Raumes. Wir alle sind die NutzerInnen des Jamnitzer Platzes. Der Jamnitzer ist Jugendzentrum, Spielplatz, Cafe, Kneipe: Ort des Austauschs, des Miteinanders oder auch des Nebeneinanders.Aber für andere, für ImmobilienbesitzerInnen, für InvestorInnen, für SpekulantInnen ist dieser Platz etwas anderes: er ist ein Potential mehr Miete zu verlangen oder teurer zu verkaufen. Sie preisen den Jamnitzer als „Naherholungspark“ an, man denkt an Yoga, an Homeoffice im Grünen, an Joggen im Park, Friedhofsruhe und genau das soll das finanzkräftige Klientel auch denken.


Doch der Park ist lebendig, wir alle keine Ausstellungsstücke in einem schöner Wohnen Katalog, viele nicht geeignet für schicke Immobilienanzeigen.Kinderlärm, ArbeiterInnen mit ihrem Feierabendbier, Obdachlose, die hier auch ihren Platz finden, Jugendliche, die Streetball spielen oder abends zusammen sitzen. Nicht gerade prestigeträchtig, aber nach wie vor die BewohnerInnen dieses Stadtteils! Wer von den verlogenen Immobilienanzeigen jedoch hierher gelockt wurde – in Erwartung eines Multi-Kulti Stadtteils, von dem er gern das Flair und das Essen hätte, nicht aber seine sozialen Probleme, seine Lebendigkeit, seine Widerständigkeit. Diese Menschen rufen die Polizei wenn es nicht so läuft, wie es ihnen passt. Für ihre Sorgen und Nöte ruft die Stadt Nürnberg runde Tische mit allen möglichen städtischen Institutionen ins Leben.Und was bekommen wir? Die Leugnung unserer Verdrängung auf höchster Ebene! Ein teures Neubauprojekte nach dem anderen! Eine Pseudo-Bürgerbeteiligunsg-Show rund um die geplante Aufwertung des Jamnitzer Platzes!
Die Cops gestehen an einem halb-öffentlichen Termin am Platz sogar ganz offen ein: die Polizeipräsenz hier ist so hoch wie an keinem anderen Platz in Nürnberg – zeitgleich gibt es keine überdurchschnittliche Kriminalität in der Statistik. Das heißt, sie lassen sich zum Büttel machen von ein paar Haus-und Wohnungsbesitzern rund um den Platz. Sie richten eine stadtpolitische Frage komplett nach den Interessen einer handvoll Eigentümer aus, die jedes Tag auf einer Parkbank fotografieren und ans Ordnungsamt schicken, die gegen Obdachlose hetzen und deren einzige Sorge der Wertverlust ihrer heiligen Immobilie ist.Wir möchten an dieser Stelle vorschlagen: Wenn ihr euch so unwohl fühlt, wenn es euch zu schmutzig, zu laut, zu lebendig ist: dann tut es Werner T. gleich und geht! Wir freuen uns über den Wertverlust eines jeden Lofts, in denen dann einfach Familien einziehen können, die den Raum dringend brauchen würden. Wir freuen uns über jedes Haus, in dem wir dann kollektiv wohnen können. Da es aber so einfach leider nicht funktionieren wird, bleibt es an uns allen, uns zu organisieren, jede Mieterhöhung zurückzuschlagen, jede Kündigung abzuwehren, Kontrollen am Platz so entschlossen zu begegnen wie es im letzten Sommer geschah, sich nicht spalten zu lassen und solidarisch zu sein. Die Plätze denen, die sie nutzen. Die Häuser denen, die drin wohnen! Wohnraum vergesellschaften! Soziale Revolution machen!Ganz praktisch haben wir einen Soli-Fonds für den Jamnitzer aufgemacht, mit dem wir Menschen helfen wollen, sich gegen Ordnungsgelder etc. zu wehren. Spendet also bitte fleißig. Wer selbst aktiv werden will: wir als Initiative machen zusammen mit der organisierten autonomie den Stadtteilclub reclaim Gostenhof. Das nächste offene Treffen des Stadtteilclubs Reclaim ist am Samstag den 26. September um 19 Uhr in der Schwarzen Katze. Dort planen wir weitere Aktionen rund um das Thema öffentlicher Raum und Ferienwohnungen in Gostenhof. Wir freuen uns auf euch!

drucken | 20. September 2020 | organisierte autonomie (OA)

Terminkalender

Samstag, 28.01.2023

Samstag 28.01. Komm zum Spieleabend im Stadtteilclub Reclaim Gostenhof ab 20 Uhr

Du hast lust gemeinsam mit anderen zu Spielen? Dann komm vorbei zu unserem Spieleabend im Stadtteilclub Reclaim Gostenhof um 20:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze. Ganz egal ob Karten- oder Brettspiel hier kannst du im lockeren Rahmen Mitspieler*innen finden und kennen lernen. Daneben wird für leckeres Essen gesorgt sein. Natürlich kannst du gerne auch eigene Spiele, die du schon immer mal ausprobieren wolltest mitbringen - das ist natürlich kein muss. Wir freuen uns auf einen gemeinsamen gemütlichen Abend. Zwischen 19:00 und 20:00 Uhr findet unser offenes Treffen statt, bei dem wir wie immer Aktivitäten planen um unseren gemeinsamen Interessen als Lohnabhängige und Mieter*innen in Gostenhof Ausdruck zu verleihen und Themen diskutieren die uns im Stadtteil umtreiben.
Dienstag, 31.01.2023

Gegen die Eskalation der „Gender-Debatte“ - Eine Einladung zum Gespräch

31. Januar 2023 || 18.30 Uhr || SCHWARZE KATZE || Untere Seitenstraße 1 || 90429 Nürnberg || Veranstaltung von Bettina Fellmann & Jörg Finkenberger Warum wird die Debatte um Geschlechtsidentität so emotional geführt? Warum laufen Auseinandersetzungen häufig auf Beleidi-gungen und Übergriffe hinaus? Viele vermeiden, überhaupt über dieses Thema zu reden. Die einen haben Angst, sich dazu zu äu-ßern, weil sie niemanden verletzen möchten – oder nicht selbst angegriffen werden wollen. Andere machen sich über die Ableh-nung lustig, die einige Menschen ihrem körperlichen Geschlecht gegenüber empfinden. Die gesellschaftliche Debatte führt zu einer Blockbildung, bei der die einzelnen Blöcke fortwährend unversöhnlich aufeinander einhauen. Das ist bekanntermaßen nicht nur bei diesem Thema so. Dabei bildet ‚die öffentliche Meinung‘ nicht ab, was die meis-ten wirklich denken. Beides hat fatale Folgen: Die Belange von Frauen stehen genauso auf dem Spiel wie die von homo- und bi-sexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen und ande-ren, deren ‚Rollenverhalten‘ oder sexuelles Begehren verachtet und verfolgt wird. Die Fragen, die diskutiert werden müssen, sind weitreichend: Wie wird in der heutigen Geschlechterordnung patriarchale Herr-schaft ausgeübt? Wie ist es in unserer hochindividualisierten Massengesellschaft um das ‚mit sich identische‘ Selbst bestellt? Was bedeutet geschlechtliche Selbstbestimmung? Welchen Stel-lenwert hat körperliche Unversehrtheit in diesem Zusammen-hang? Die bestehende Gesellschaft weicht, wo es geht, einer Auseinan-dersetzung mit ihren Grundtatsachen aus. Das verhindert die Ab-schaffung menschenfeindlicher Strukturen. Inwieweit kann in die-ser Gemengelage die aktuelle Debatte um Geschlecht und Identi-tät der Befreiung aller zuträglich sein? Um das zu klären, wollen wir von Widerstand und Anpassung reden; von geschlechtsspezi-fischer Gewalt und Flucht in Fiktionen; von Konfliktvermeidung und Verblendungszusammenhängen – und nicht zuletzt von dem Gefühl, falsch beschaffen und nie genug (da) zu sein. Wir haben keine fertigen Antworten. Stattdessen wollen wir ver-suchen, den gestellten Fragen im gemeinsamen Gespräch auf den Grund zu gehen. Bettina Fellmann wird über Identität und Erfahrung reden, sowie über das Verhältnis von vorgestellter und materieller Wirklichkeit, Jörg Finkenberger über Geschlechtskonformität und Selbsthass. Danach offene Diskussion.