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Wir lassen uns nicht durch steigende Mieten und Ausverkauf verdrängen

[1]Wir dokumentieren hier den Redebeitrag der Initiative Mietenwahnsinn stoppen gehalten auf der Kundgebung am Jamnitzerplatz „Jamnitzer für Alle – gegen eine Stadt der Reichen!“ und zeigen unsere Solidarität mit den Angeklagten am kommenden Dienstag.

Wir, die Nutzerinnen und Nutzer des Jamnitzer Platzes. Wir, die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Stadtteils, wir haben hier und heute eine Nachricht an die Stadt, an ihre Cops und an die paar Eigentümer, die es immer mal wieder versuchen: Wir lassen uns nicht verdrängen! Wir lassen uns nicht durch steigende Mieten und Ausverkauf verdrängen.Wir lassen uns genauso wenig von unseren Plätzen und Parks verdrängen! Wir, das sind Kinder, Jugendliche, Familien, Obdachlose, RenterInnen, wir alle sind die NutzerInnen des öffentlichen Raumes. Wir alle sind die NutzerInnen des Jamnitzer Platzes. Der Jamnitzer ist Jugendzentrum, Spielplatz, Cafe, Kneipe: Ort des Austauschs, des Miteinanders oder auch des Nebeneinanders.Aber für andere, für ImmobilienbesitzerInnen, für InvestorInnen, für SpekulantInnen ist dieser Platz etwas anderes: er ist ein Potential mehr Miete zu verlangen oder teurer zu verkaufen. Sie preisen den Jamnitzer als „Naherholungspark“ an, man denkt an Yoga, an Homeoffice im Grünen, an Joggen im Park, Friedhofsruhe und genau das soll das finanzkräftige Klientel auch denken.


[2]Doch der Park ist lebendig, wir alle keine Ausstellungsstücke in einem schöner Wohnen Katalog, viele nicht geeignet für schicke Immobilienanzeigen.Kinderlärm, ArbeiterInnen mit ihrem Feierabendbier, Obdachlose, die hier auch ihren Platz finden, Jugendliche, die Streetball spielen oder abends zusammen sitzen. Nicht gerade prestigeträchtig, aber nach wie vor die BewohnerInnen dieses Stadtteils! Wer von den verlogenen Immobilienanzeigen jedoch hierher gelockt wurde – in Erwartung eines Multi-Kulti Stadtteils, von dem er gern das Flair und das Essen hätte, nicht aber seine sozialen Probleme, seine Lebendigkeit, seine Widerständigkeit. Diese Menschen rufen die Polizei wenn es nicht so läuft, wie es ihnen passt. Für ihre Sorgen und Nöte ruft die Stadt Nürnberg runde Tische mit allen möglichen städtischen Institutionen ins Leben.Und was bekommen wir? Die Leugnung unserer Verdrängung auf höchster Ebene! Ein teures Neubauprojekte nach dem anderen! Eine Pseudo-Bürgerbeteiligunsg-Show rund um die geplante Aufwertung des Jamnitzer Platzes!
Die Cops gestehen an einem halb-öffentlichen Termin am Platz sogar ganz offen ein: die Polizeipräsenz hier ist so hoch wie an keinem anderen Platz in Nürnberg – zeitgleich gibt es keine überdurchschnittliche Kriminalität in der Statistik. Das heißt, sie lassen sich zum Büttel machen von ein paar Haus-und Wohnungsbesitzern rund um den Platz. Sie richten eine stadtpolitische Frage komplett nach den Interessen einer handvoll Eigentümer aus, die jedes Tag auf einer Parkbank fotografieren und ans Ordnungsamt schicken, die gegen Obdachlose hetzen und deren einzige Sorge der Wertverlust ihrer heiligen Immobilie ist.Wir möchten an dieser Stelle vorschlagen: Wenn ihr euch so unwohl fühlt, wenn es euch zu schmutzig, zu laut, zu lebendig ist: dann tut es Werner T. gleich und geht! Wir freuen uns über den Wertverlust eines jeden Lofts, in denen dann einfach Familien einziehen können, die den Raum dringend brauchen würden. Wir freuen uns über jedes Haus, in dem wir dann kollektiv wohnen können. Da es aber so einfach leider nicht funktionieren wird, bleibt es an uns allen, uns zu organisieren, jede Mieterhöhung zurückzuschlagen, jede Kündigung abzuwehren, Kontrollen am Platz so entschlossen zu begegnen wie es im letzten Sommer geschah, sich nicht spalten zu lassen und solidarisch zu sein. Die Plätze denen, die sie nutzen. Die Häuser denen, die drin wohnen! Wohnraum vergesellschaften! Soziale Revolution machen!Ganz praktisch haben wir einen Soli-Fonds für den Jamnitzer aufgemacht, mit dem wir Menschen helfen wollen, sich gegen Ordnungsgelder etc. zu wehren. Spendet also bitte fleißig. Wer selbst aktiv werden will: wir als Initiative machen zusammen mit der organisierten autonomie den Stadtteilclub reclaim Gostenhof. Das nächste offene Treffen des Stadtteilclubs Reclaim ist am Samstag den 26. September um 19 Uhr in der Schwarzen Katze. Dort planen wir weitere Aktionen rund um das Thema öffentlicher Raum und Ferienwohnungen in Gostenhof. Wir freuen uns auf euch!