900 zum Frauenkampftag in Nürnberg auf der Straße – Frauensolidarität schlug patriarchale Spaltungsversuche

900 zum Frauenkampftag in Nürnberg auf der Straße – Frauensolidarität schlug patriarchale Spaltungsversuche

Eine der stärksten Frauenkampftage seit Jahrzehnten sah Nürnberg am 8. März 2019. Rund 600 Menschen beteiligten sich am vergangenen Freitag an einem Streikwalk, zu dem das 8. Märzbündnis Nürnberg aufgerufen hatte. „Frauen* raus zum Streik – international kämpfen“ hieß das Motto. Angeführt von einem kämpferischen Frauenblock skandierten die Teilnehmerinnen unermüdlich ihre Kampfansagen gegen Patriarchat, Sexismus und globale Ungleichheit – und ließen es dabei auch nicht an Kreativität fehlen: „Lass es krachen, lass es knallen, einfach aus der Rolle fallen“, „Ehe, Küche, Vaterland? Unsere Antwort: Widerstand“, „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“, lauteten einige der Parolen.

Deutlich machten die AkteurInnen  freilich vor allem ihre Wut auf die herrschenden Verhältnisse. Die Empörung über sexuelle Gewalt, patriarchale Unterdrückung, ökonomische und sexuelle Ausbeutung, bis hin zu Massenvergewaltigungen, Femiziden und Versklavungen in den Kriegen, für die die herrschenden Klassen in Deutschland und anderen imperialistischen Ländern verantwortlich sind, wurde vielfach in Redebeiträgen thematisiert.

Klar stellten die Frauen auch in ihren Reden, auf Transparenten und Plakaten, dass auch Nürnberg 2020 einen Frauenstreik erleben wird, der nach dem Plan zahlreicher Frauen- und Queerorganisationen in der ganzen Bundesrepublik stattfinden soll. Die Chancen dafür sind nicht schlecht. Seit das Bündnis vor über 10 Jahren die jahrelang eingeschlafene Frauenkampfdemo am 8. März wieder ins Leben rief, hat der antipatriarchale Kampf an Kraft gewonnen, wie schon die TeilnehmerInnenzahl zeigt, aber auch an Vielfalt – migrantische Frauen und Frauenorganisationen sind InitiatorInnen und sorgen auch das Jahr über mit Aktionen für Konitnuität.

Von der Idee eines Frauenstreiks ließen sich auch die TeilnehmerInnen einer weiteren Frauendemo mitreißen, zu der erstmals Stadt, DGB und Frauenverbände aufriefen und die nicht zuletzt von kämpferischen Gewerkschafterinnen geprägt war. Das ist umso erfreulicher, da die Gewerkschaftsspitzen einem Streik 2020 bislang eine Absage erteilen. 200 bis 300 Frauen nahmen an dieser Demo teil, die zum Hallplatz führte. Dort zeigte sich, dass kämpferische Frauen sich nicht spalten lassen. Beide Demonstrationszüge trafen sich und sangen gemeinsam „Brot und Rosen“, das Kampflied der Textilarbeiterinnen in den USA von 1912: „Zu Ende sei dass kleine Leute schuften für die Großen. Her mit dem ganzen Leben: Brot und Rosen!“ Zahlreiche Frauen pfiffen auf Spaltung und Distanzierung und schlossen sich dem Demozug an, der am Bahnhof vorbei über den Frauentorgraben zum Weißen Turm weiterzog.

Klar ist jetzt schon, dass auf die Frauenorganisationen, die diesen Kampftag organisiert haben, kein Jahr ruhiges Jahr zukommt. Schon im Vorfeld mussten sie sich mit Behinderungsversuchen der Stadt auseinandersetzen. Die wollte den Protest stummschalten und verbieten, den Lautsprecherwagen in der Innenstadt mitzuführen. Auch im Nachfeld zeigte sich, dass die Presse diese wirklich starke Demo schlicht versuchte totzuschweigen. Lediglich in einem – dazu auch noch inhaltlich falschem – Satz erwähnten die Nürnberger Nachrichten innerhalb eines großen Artikels über den „Frauentag“ in Nürnberg  die erfolgreiche Demo des seit über einem Jahrzehnt arbeitenden radikalen Frauenbündnisses. Doch wenn sich Frauen auch weiterhin nicht spalten lassen, kann auch in Deutschland 2020 ein echter Streik gelingen. Wir hoffen auf viele kämpferische Aktionen und auf die Kampflust der Basis.

Mehr zum Thema: Rede der organisierten autonomie am Frauenkampftag 2019

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drucken | 11. März 2019 | organisierte autonomie (OA)